Schlagwort-Archive: Bochum

Hammerskins in und bei der Stadt Bochum

Am Montag, den 12.07.2021, veröffentlichte das Recherche Kollektiv „Exif“ eine ausführliche Recherche zur extrem rechten Neonazisbruderschaft der Hammerskins. Im Rahmen der Recherche werden mehrere Mitglieder der Hammerskins aus dem Raum Bochum namentlich erwähnt, die dem „Chapter Westfalen“ angehören. Die folgende Veröffentlichung dient dazu, vereinzelt die Informationen der oben genannten Recherche zu ergänzen. Informationen zu den Hammerskins im allgemeinen sind aus der Recherche von „Exif“ zu entnehmen.

Hammerskins Chapter Westfalen Foto: Exif Recherche

Hammerskins bei der Stadt Bochum angestellt

Mario Garcia im Anti Antifa Shirt in der Bochumer Innenstadt 2009

Zwei Mitglieder der konspirativ organisierten Neonazibruderschaft Hammerskins arbeiten für die Stadt Bochum. Dabei handelt es sich um Keith Klene (vormals Hufski, geb. 30.09.87) und Mario Garcia (geb. 05.06.88). Garcia ist bei den Technischen Betrieben der Stadt Bochum tätig. Dort ist er als leitender Gartenlandschaftsbauer für den Bezirk Wattenscheid tätig. Zuvor leitete Garcia das sogenannte „City Team“ des technischen Betriebs. In sein Aufgabenfeld gehört zudem das Anleiten von Auszubildenden. Mehr als makaber daran ist, dass der Technische Betrieb der Stadt Bochum an der Oberen Stahlindustrie angesiedelt ist und sich somit Garcias Büro in einem Gebäude befindet, in dem Zwangsarbeiter:innen während der Zeit des Nationalsozialismus zur Anfertigung von Munition gezwungen wurden. Angrenzend an das Gelände befand sich zudem das Außenlager des Konzentrationslagers Buchendwald an der Brüllstraße. Dass dort jemand täglich zur Arbeit einkehrt, der zu einer konspirativ agierenden Neonazibruderschaft gehört und zudem im Jahr 2004 in Bochum gegen den Synagogenbau demonstrierte, ist eine Schande. Keith Klene hingegen hat sein Büro im technischen Rathaus in der Bochumer Innenstadt. Dort ist er seit Anfang des Jahres im Tiefbauamt für die Grundlagenplanung verantwortlich und im Raum 1.7.210 anzutreffen.

Höntroper Hammerskins

Neben der gemeinsamen Mitgliedschaft bei den Hammerskins und dem gemeinsamen Arbeitgeber, haben Klene und Garcia noch eine weitere Gemeinsamkeit: beide kommen aus Wattenscheid Höntrop. So sind beide in Höntrop groß geworden, haben in Wattenscheid die Schule besucht und leben auch weiterhin noch dort. So wohnt Keith Klene, der in der Emilstraße groß geworden ist, nun in der Hönnebecke 47 unweit des Höntroper S-Bahnhofs. Mario Garcia lebt am Bitterskamp 32.

Hendrik Stiewe am Stand illegaler Musikproduktionen beim Hammerfest in Frankreich am 2. November 2019 Foto:Exif-Recherche

Auch Hendrik Stiewe (geb. 02.12.1981) lebt seit ca. 2013 nur einen Katzensprung entfernt von Klene und Garcia am Wattenscheider Hellweg 15. Wie aus der Recherche zu den Hammerskins hervorgeht, ist Hendrik Stiewe einer der wichtigsten Akteure der europäischen Hammerskins. Vorallem seine Kontakte in die USA und zu rechten Bands, machen ihn zu einem wichtigen Protagonisten der Neonaziszene. So schreibt „Exif Recherche“, dass Stiewe für den Vertrieb von illegalen Rechtsrockplatten von „Adolf Hitler Records“ und „Irma Grese Musik“ verantwortlich ist. Er verkaufte nachweislich im Jahr 2019 auf dem Hammerfest illegale Platten dieser Label. So kann davon ausgegangen werden, dass er auch über seine Wohnanschrift einen regen Versand von Rechtsrockplatten betreibt.

 

Zwischen Rechtsrock und Verwaltung
Einer von Hendrik Stiewes Kontakte in die USA ist William Leinberger, ein Neonazi und Tätowierer aus Berwyn, der wegen antisemitischen Farbattacken auf jüdische Geschäfte und einer Morddrohung in den 90er Jahren eine Haftstrafe absitzen musste. Ebenfalls hatte Stiewe laut „Exif Recherche“ Kontakt zu Wade Michael Page, der ein rassistisches Attentat auf einen Sikh-Tempel in Wisconsin verübte, bei dem sechs Menschen ums Leben kamen.
Neben seinen neonazistischen Aktivitäten ist Stiewe bemüht, einen Arbeitsplatz in der öffentlichen Verwaltung zu erhalten. Bereits vor einigen Jahren war er Mitarbeiter beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Dortmund, wo er aufgrund seiner Neonaziaktivitäten gekündigt wurde. Seit dem versucht er sich weiterzubilden, um einen Arbeitsplatz in der öffentlichen Verwaltung zu erhalten. Hierzu besucht er das Studieninstitut Emscher-Lippe in Dorsten, wo er den Verwaltungslehrgang II absolviert.

Weitere Mitglieder des Chapter Westfalen in Bochum

Hendrik Stiewe und das frisch gegruendete Chapter Westfalen in Bremen 2014 Foto: Exif-Recherche

Zu dem Hammerskin Chapter Westfalen zählen zudem die Brüder Alexander Damm und Dominik Damm ( geb. 02.07.81). Alexander Damm arbeitet bei der Schreinerei Reichel in Wattenscheid und lebt mit seiner Lebensgefährtin Eva Damm in der Laerfeldstr 3b in Bochum Laer. Neben den Aktivitäten bei den Hammerskins sind beide bei einem Fußballverein aktiv. Eva Damm spielt dort unter anderem in der Frauenmannschaft, Alexander Damm trainiert dort die F-Junioren. [Ergänzung 13.07.21: Der zuvor an dieser Stelle genannte Fußballverein, distanzierte sich glaubhaft von Rassismus und neonazistischer Ideologie. Daher haben wir die Nennung des Vereins nachträglich gelöscht.]  Eva Damm verdient ihr Unterhalt als Tagesmutter.

 

Martin Heise rechts und Dominik Damm 2.v.r. und Andre Eminger links in Thueringen im Juli 2018

Dominik Damm hingegen wohnt in Bochum Dahlhausen am Krampenhof 30. Dominic Damm nahm im Jahr 2018 an einem Kampfsportturnier in Thüringen teil. Neben ihm nahm der NSU Unterstützer André Eminger nachweislich an der Veranstaltung teil. Ein weiterer Hammerskin der an diesem Kampfsportevent teilnahm, war Martin Heise. Heise kommt aus Wetter und arbeitet dort beim Elektriker Volker Friedel.

 

 

Zwei, die bereits in vorherigen Veröffentlichungen erwähnt wurden, sind Stefan Held (geb. 21.01.84) und seine Lebensgefährtin Marina Lisczewski.

Hendrik Stiewe und Marina Liszczewski beim Hammerfest in Frankreich am 2. November 2019 Foto:Exif-Recherche

Lisczewski sorgte 2019 für lokale Berichterstattung, da sie als Mitorganisatorin des „Kampf der Nibelungen“ und bekannte Naziaktivistin aus dem Ruhrgebiet bei der der Schufa Holding AG in Bochum arbeitete. Zusammen mit Held, lebt sie in Bochum Langendreer in der Straße Am Steinhardt 5. Held machte sich, nach seinem gescheiterten Versuch als Imbissbetreiber in Lütgendortmund, in Witten als Zahntechniker selbständig. Dort leitet er als einer von zwei Geschäftsführern das Zahnlabor „Helix Dental“ in der Ardeystraße. Neben seiner Liebe zu seinem Beruf als Zahntechniker, hat sich Held das Logo der Hammerskins auf sein linkes Bein tattowieren lassen.

Ein weiterer Neonazis aus Bochum, der zwar nicht den Hammerskins zugeordnet werden kann, aber zu deren Bekanntenkreis gehört, ist u.a. Stefan Schröder aus Wattenscheid. Schröder half u.a. beim Kampf der Nibelungen 2018 in Ostritz als Ordner aus.

Festhalten kann man, dass die Bochumer Hammerskins sich über Jahre organisieren konnten ohne dabei gestört zu werden. Ein Grund dafür liegt sicherlich in dem sehr vorsichtigen Auftreten der lokalen Hammerskins. So bleiben sie weitestgehend von öffentlichen Neonaziveranstaltungen fern, um auch ihre Berufe nicht zu gefährden. Gerade die Stadt Bochum muss nun Verantwortung übernehmen und die zwei bei ihr angesteltten Hammerskins kündigen. Auch das Studieninstitut Emscher-Lippe muss vorbildlich handeln und Hendrik Stiewe nicht weiter darin weiterbilden eine Stelle in der öffentlichen Verwaltung wahrnehmen zu können.

RechercheBo
13.07.2021

Der Vollständigkeit halber spiegeln wir an dieser Stelle die Auszüge des Recherche Artikels von „Exif Recherche“, die sich mit den Neonazis aus Bochum und Umgebung beschäftigen (viele der benutzten Fotos stammen aus dem folgenden Text):
Weiterlesen

Identitärer Neofaschist Jonas Grundhoff setzt nun auf Parteikarriere in der AfD

Jonas Grundhoff bei einer Veranstaltung der AfD

An dieser Stelle dokumentieren wir einen Beitrag vom „Kommando Else Hirsch“, welcher heute auf Indymedia veröffentlicht wurde.

Wie identitäre Kader in der AfD ihre rechte Karriere fortsetzen am Beispiel des Bochumers Jonas Grundhoff.

Es gab einen Jonas der in antirassistischen Zusammenhängen aktiv war, der Speedtalking-Treffen mit Geflüchteten besuchte, der Empathie für das Gegenüber aufbrachte. Diesen Jonas gibt es nicht mehr. Seit 2018 ist Jonas ein Rassist und Mitglied der neofaschistischen Identitären Bewegung (IB). Seit 2020 ist er zudem in der AfD aktiv.

Der ehemalige Philosophiestudent an der Ruhr-Universität Bochum, der früher „An der Landwehr 30“ in Bochum wohnte, arbeitet nun bei der Textildruckerei Fabu-Print GmbH im sauerländischen Fröndenberg. Er beteiligte sich an zahlreichen IB-Aktionen, stellte sein Auto für diese zur Verfügung und ist fester Bestandteil der Ruhrgebiets-Identitären von „Defend Ruhrpott“. Am 13. Oktober 2018 reiste er mit weiteren Bochumer Identitären zu IB-Zone nach Duisburg, wo er anschließend versuchte rassistische IB-Flyer an Passant*innen zu verteilen. Am 4. Mai war er dabei als ein gewaltsuchender Mob Identitärer, die aus ganz NRW angereist waren, durch Altenbochum zog. Zuvor posierte er hinter dem Banner mit dem Slogan „Bochum ist identitär“. Am 12. Mai 2019 hielt er bei einer IB-Kundgebung vor dem Duisburger Hauptbahnhof eine IB-Fahne, während seine Kameraden Kai Naggert und Marius König per Megafon Passant*innen belästigten. Am 20. Juli 2019 fuhr er mit dem eigens gecharterten IB-Bus aus NRW zur gescheiterten IB-Demo nach Halle und posierte dort mit seiner IB-Reisegruppe in einheitlichen schwarzen T-Shirts. Grundhoff besuchte auch das Konzert des Nazirappers Kai „Prototyp“ Naggert im Haus der extrem rechten Burschenschaft „Rhenania-Salingia“ in Düsseldorf. Am 6. März 2020 fuhr er mit den Identitären Falk Schakolat, Alexander Lehmann und Noah von Stein nach Schnellroda, wo der neurechte Vordenker Götz Kubitschek ein Treffen des völkisch-nationalistischen Flügels der AfD arrangiert hatte.

 

Den Kragen hoch, mit und Mütze und Sonnenbrille das Gesicht verdeckt, war Jonas Grundhoff dabei stets um Anonymität bemüht, wohlwissend um die menschenverachtende Agenda, an der er sich beteiligte. Der allgemeine Niedergang der IB führte auch im Ruhrgebiet zu Zerfallserscheinungen der vom Verfassungsschutz beobachteten Struktur, weshalb Grundhoff, wie einige andere IB-Kader, das sinkende Schiff verließ und seine rechte Karriere nun in der AfD fortsetzt. Die Junge Alternative (JA) Arnsberg unter der Leitung des Identitären Nils Hartwig und unter Schirmherrschaft Matthias Helferichs war dabei der ideale Türöffner in die Partei. Dort führt er seit 2020 gemeinsam mit seinen IB-Kameraden Alexander Lehmann, Christian Scharfen, Kerem Kollies und Noah von Stein seine extrem rechte Agenda in Form von Parteiarbeit und Aktionen im IB-Stil fort.

 

Am Morgen des 13. Juni 2020 war es Grundhoff, der gemeinsam mit von Stein, Hartwig und Lehmann und weiteren Jung-AfDlern in Gelsenkirchen maskiert ein eigens mitgebrachtes Transparent vor der dortigen Lenin Statur mit Kunstblut beschmierte. Auch aufgrund seiner Vorerfahrung bei Aktionen der IB agierte er bei dieser Aktion der JA-Arnsberg als leitende Figur. Am 15. August 2020 sieht man Grundhoff bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in Köln neben einem AfD-Stand mit dem Schild „Sichere Heimat“ stehen. Grundhoff ist auch dabei als am 9. Oktober 2020 die Dortmunder AfD-Politiker Matthias Helferich und Heiner Garbe ihren teilweise identitären Parteinachwuchs zu einem internen Treffen in das Dortmunder Rathaus laden. Am 11. Oktober 2020 sieht man Grundhoff dann beim Landeskongress der Jungen Alternativen NRW in Herten gemeinsam mit seinen identitären Kameraden Christian Scharfen, Alexander Lehmann, Nils Hartwig und Kerem Kollies. Am 1. Mai 2021 ist er dann bei einer AfD-Veranstaltung von Guido Reil in Altenessen, wo er mit Hartwig, Lehmann und Helferich posiert.

 

Grundhoff strebt offenbar eine politische Karriere in der AfD an. Er ist das personifizierte Beispiel dafür, dass zwischen große Teile der AfD und Identitäre Bewegung ideologisch kein Blatt Papier passt. Ein Wechsel von der IB hinein in die AfD ist mithilfe von Seilschaften wie Helferich und Hartwig problemlos und trotz eines lächerlichen Unvereinbarkeitsbeschlusses möglich. Außerparlamentarischer und parlamentarischer Arm der Neuen Rechten verschmelzen zu einer Struktur.

Jonas, deinen Hass kannst du behalten!

Weitere Fotos:

8. Mai – Tag der Befreiung.Tear Fascism down!

Der 8. Mai ist der Tag der Befreiung. Mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 endet nach 12 Jahren die Schreckensherrschaft der Nazis, der in Europa rund 40 Millionen Menschen zum Opfer fallen. Millionen Jüdinnen und Juden, verschleppte Zwangsarbeiter*innen, Sinti und Roma, Linke, Zivilist*innen, Homosexuelle und Menschen mit Behinderungen werden von den Nazis dabei organisiert und systematisch ermordet. Antifaschist*innen konnten trotz ihrer Kämpfe die Machtergreifung der Nazis nicht verhindern. Die Geschichte zeigt uns, dass der einmal erstarkte Faschismus in Europa nur unter Aufwendung größter militärischer Anstrengungen zerschlagen werden konnte. Dies gilt es bei den heutigen Kämpfen gegen die wieder aufkeimenden reaktionären und regressiven Tendenzen zu bedenken.

Bochum wurde am 10. April befreit, als amerikanische Panzer über die Herner Straße einrollten. Als Gauhauptstadt ernannt spielt Bochum für die Nazis eine wichtige Rolle. Dank der vielfach ehrenamtlich geleisteten Recherche und Erinnerungsarbeit sind die Gräueltaten der Nazis auch in Bochum gut dokumentiert. Kurz nach ihrer Machtübernahme 1933 werden zuallererst Kommunist*innen und Sozialdemokrat*innen in geheimen Gefängnissen wie „Gibraltar“ oder dem „Gerther Blutkeller“ in der Hegelschule von Mitgliedern der Sturmabteilung (SA) gefoltert und ermordet. Zu den Opfern gehörten u.a. der jüdische Kaufmann Albert Ortheiler, der Uniformen an antifaschistische Verbände lieferte und der KPD’ler Heinrich Fischer. Die SA war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP und spielte als Ordner- und Schlägertruppe auch in Bochum eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Nationalsozialisten. Im Vorfeld der Machtergreifung 1933 widmeten sich die „Braunhemden“ intensiv dem Straßenkampf und Überfällen auf Juden, Kommunist*innen und Sozialdemokrat*innen. Nach der Machtergreifung diente sie der NSDAP in gleicher Weise vorübergehend als „Polizei“. Mitglieder der SA waren Überzeugungstäter, die über ihre freiwillige Mitgliedschaft beim paramilitärischen Arm der NSDAP eine hohe Identifikation und Überzeugung demonstrierten.

Einer von ihnen war Alfons König, SA-Mann aus Bochum. Von den Nazis wurde er nach seinem Tod als sogenannter „Blutzeuge“ geadelt, da er bei einem Verkehrsunfall in Stromberg auf einer Propagandafahrt nach Besenkamp-Enger umkam. So benannten die Nazis während der NS-Zeit eine Straße nach ihm und machten ihn zu einer Märtyrerfigur für die Bochumer SA-Ortsgruppe. Bis ins Jahr 2021 schaffte es der Grabstein von Alfons König mehr oder weniger unbeschadet davon zu kommen. Die Stadt Bochum scheint es all die Jahre nicht interessiert zu haben, dass ein Reichsadler und das verbotene Logo der SA auf dem Grabstein prangten, was diesen für lokale Nazis über die Jahre sicher zu einem besonderen Ort machte. Der Grabstein befand sich bis vor wenigen Tagen auf einem Bochumer Friedhof. In unmittelbarer Nähe zum Grab des Nazischergen liegen 9 Arbeiter*innen, die im Kampf gegen den faschistischen Kapp-Lüttwitz Putsch 1920 ihr Leben verloren. Ihre Gräber wurden von den Nazis während der NS- Zeit zerstört. Der Grabstein von Alfons König befindet sich nun nicht mehr auf dem Friedhof. Bessere Orte für derlei Überbleibsel aus dieser Zeit wären ohnehin Archive und Museen gewesen.

Damit reiht sich die Aktion in das linksradikale Bochumer Brauchtum ein, welches nationalsozialistische und kriegsverherrlichende Denkmäler und Grabstätten zeitgemäß kommentiert. So wurde im Jahr 1983 das Kriegerdenkmal im Bochumer Stadtpark gefällt, welches die Nazis erbauen ließen. Im Jahr 1987 verlor die Soldatenstatue in Bochum Langendreer an der Unterstraße ihren Kopf. Auch der Ersatzkopf wurde im Jahr 2010 abgeschlagen.

Wo und wann der Grabstein von Alfons König wieder auftaucht, bleibt zunächst ungewiss. An dem letzten Aufenthaltsort wird es sicherlich nicht sein.

Antifa 4630

Quellen:

https://www.bochumschau.de/video/soldaten-denkmal-stadtpark-bochum-2012.htm
https://www.bochumschau.de/kriegerdenkmal-soldaten-stadtpark-bochum-2012.htm
https://www.bochumschau.de/kriegerdenkmal-soldaten-kopf-bochum-langendreer-2019.htm
https://linksunten.archive.indymedia.org/node/12063/index.html
https://linksunten.indymedia.org/de/node/28625/index.html

Solidarität mit der jüdischen Gemeinde in Bochum

Solidemo wegen Angriff auf Synagoge 26.04.21 in Bochum

In der Nacht auf Montag wurde die Synagoge an der Castroper Straße mit Eisenkugeln beschossen. Diese wurden vermutlich mit einer Zwille abgegeben. Hierbei wurde eine Scheibe im Eingangsbereich der Synagoge beschädigt. Aus Solidarität mit der jüdischen Gemeinde in Bochum, haben wir gestern spontan eine Demonstration unter dem Motto „Solidarität mit der jüdischen Gemeinde – Gegen jeden Antisemitismus“ durchgeführt. Hierbei kamen ca. 100 Menschen zusammen die spontan vom Hauptbahnhof in Richtung Synagoge zogen, um die Demo dann letztendlich am Dr. Ruer Platz zu beenden.

Im weiteren dokumentieren wir unseren Redebeitrag, der sich inhaltlich mit antisemitischen Vorfällen und Angriffen in Bochum und Umgebung befasst:

„In der vergangenen Nacht wurde eine Scheibe im Eingangsbereich der Synagoge mit Stahlkugeln, die wohl mit einer Zwille abgefeuert wurden, zerstört. Auch beim angrenzenden Planetarium wurden zerstörte Scheiben entdeckt. Unwahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet die Synagoge während der Ausgangssperre Ziel von blindem Vandalismus geworden ist. Ein antisemitischer Hintergrund liegt nahe.
Seit der Corona Pandemie genießen antisemitische Narrative erneut Hochkunjunktur, die meist in verschiedensten Verschwörungserzählungen eingebunden sind. Damit einhergehen oftmals Vergleiche, die Verbrechen des Nationalsozialismus relativieren. Auch in Bochum traten verschwörungstheoretische Gruppen mit Kundgebungen, Demonstrationen oder Autokorsos in die Öffentlichkeit und verbreiteten krude Erzählung über geheime Eliten und die “Finanzmafia”, die die Corona Pandemie angeblich steuern würden. Auch plumper Antisemitismus und NS-Verharmlosungen konnten während dieser Veranstaltungen beobachtet werden. So wurde in den letzten Wochen bei “Querdenken 234” Veranstaltungen ein Polizist als “KZ-Aufseher” bezeichnet und ein Schild mit der Aufschrift „Ist wieder 1933?“ „Heil(t) Merkel & Spahn von ihrem Corona-Wahn!“ wurde stolz in die Luft gehalten. Im März wurden gleich zwei Autokorsos der verschwörungsideologischen Gruppe “Querdenken” direkt an der Synagoge vorbeigeleitet, geschützt von einem kompletten Fuhrpark von Polizei und Ordnungsamt. Antifaschist*innen wiesen unermüdlich auf den gefährlichen Antisemitismus, der von diesen Gruppen ausgeht hin.
Ebenfalls werden in Bochum seit 2018 regelmäßig antisemitische Parolen großflächig im Stadtgebiet gesprüht, auch hier sind neben den Schmiereien, die aus dem klassischen Nazispektrum stammen, auch solche dabei die einen verschwörungsideologische Hintergrund haben. In den letzten Wochen tauchten entlang des Radweges in der Nähe des Bochumer Westparks antisemitische Schmiereien auf, die auch ein, in Gedenken an die beim rechtsterroristischen Anschlages in Hanau getöteten Menschen erstelltes Graffiti, zerstören sollten. Doch es bleibt leider nicht nur bei gesprühten Parolen und verbalen Entgleisungen. So wurde im vergangenen Jahr eine Ausstellung die das Leben jüdischer Sportler*innen thematisierte, in der Bochumer Innenstadt zerstört. In unserer Nachbarstadt Essen wurde im November 2020 eine Scheibe der dortigen Synagoge mit einem Betonblock eingeworfen. In Hamburg ist nur ein Monat zuvor ein jüdischer Student von einer Person mit einem Spaten angegriffen worden. Der traurige Höhepunkt der vergangenen Jahren ist sicherlich der antisemitische Anschlag von Halle, als ein Rechtsterrorist versuchte an Yom Kippur in die Synagoge einzudringen und im weiteren Verlauf zwei Menschen erschoss.
In Bochum wurde im Jahr 2004 das Auto des Bochumer Rabbiners angegriffen. Dabei wurden Reifen zerstochen, Scheiben eingeschlagen und Hakenkreuze in den Lack gekratzt. Dieser Angriff reihte sich damals in eine lange Reihe von antisemistischen Taten ein, die rund um den Neubau der Synagoge an der Castroper Straße verübt wurden. Hinzu kamen wöchentliche Flugblatt-Aktionen Bochumer Nazis gegen die Synagoge, die Schändungen des jüdischen Freidhofs in Bochum und in Dortmund sowie eine Demonstration der NPD zusammen mit Freien Kameradschaften, die sich gezielt gegen die Synagoge richtete. Herbei hielt der Vorsitzende der nordrhein-westfälsichen NPD Claus Cremer eine antisemitische Rede, für die er im Nachhinein wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Cremer saß im Zeitraum von 2009 bis 2020 im Bochumer Stadtrat.
Ein damaliges NPD Mitglied schändete im Jahr 2014 zudem den jüdischen Friedhof in Wattenscheid. Dort wurden bereits im Jahr 2010 Grabsteine massiv mit Naziparolen und Hakenkreuzen geschändet. Auch in Herne kam es in den vergangenen Jahren mehrfach zu Schändungen von Gedenksteinen und jüdischen Grabsteinen.
Ob die Täter*innen nun Nazis, Anhänger*innen von Verschwörungstheorien, Islamisten oder einfache Bürger*innen sind, Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen bedarf einer unverzüglichen, entschlossenen Reaktion.
Wir müssen uns Antisemitismus klar entgegenstellen! Wir haben zu oft erlebt, dass aus Worten und Parolen Taten werden. Wir als Antifaschist*innen weisen unentwegt und besorgt auf antisemitische Auswüchse hin und sehen, dass wir uns dabei nicht auf Staat und Polizei verlassen können.
Lasst uns gemeinsam auf die Straße gehen und unsere Solidarität und auch Wut über deartige Taten in die Bochumer Öffentlichkeit tragen!

Denn wir stehen:
Gegen jeden Antisemitismus!“

Einen weiteren Redebeitrag zu Antisemitismus und Verschwörungsmythen hielt die Gruppe Non a parole. Desweiteren wurde die Demo unterstützt von Fantifa Bochum/Witten, Antifa Café Bochum und antifaschistischen Einzelpersonen.

 

Antifaschistische Linke Bochum,
April 2021

 

 

Erneut NS-Verharmlosung bei „Querdenken“ – Bericht zu den Aktivitäten von „Querdenken 234“ am 10.04.2021

Wie auch die Wochen zuvor hat „Querdenken234“ am 10.04. in Bochum zu einer Kundgebung mit anschließendem Demonstrationszug aufgerufen. An diesem nahmen bis zu 55 Personen teil.

Am Rande der Veranstaltung kam es immer wieder zu Protestaktionen von Antifaschist*innen.

Um 15:00 Uhr startete die Veranstaltung von „Querdenken234“ auf dem Dr. Ruer Platz.

Zuerst wurde, wie auch die Woche davor das „Querdenken-Manifest“ von Anmelder Peter Dragon verlesen. Die Stimmung und Tonqualität von „Querdenken“ war schlecht, genau so wie das Wetter.

Um ca. 15:50 Uhr gab es auf der Seite vom Gegenprotest kurz Aufruhe, ein Verschwörungstheoretiker eilte aus Richtung City Point auf den Platz. Dieser trug ein Schild mit den Worten „Ist wieder 1933?“ „Heil(t) Merkel & Spahn von ihrem Corona-Wahn!“. Dieses Schild musste bereits kurz nach Eintreffen auf Geheiß von Peter Dragon „zensiert“ werden. Auch wenn die „Querdenken“ Organisation das Zeigen des NS verharmlosenden Schildes unterbunden hat, wird klar, welche Art von Menschen durch die Veranstaltungen der Verschwörungsideolog*innen angezogen werden. Des Weiteren liegt die Vermutung nahe, dass „Querdenken“ weitere negative Pressemeldung aufgrund von Antisemitismus verhindern wollte.

Kurz darauf formierte sich der Gegenprotest und zeigte (erneut)ein 15 Meter langes Transparent mit der Aufschrift „Gegen jeden Antisemitismus“ und machte so deutlich, dass in Bochum kein Platz für Verschwörungsideolgien und Antisemitismus ist! Die heraneileden Polizist*innen wirkten nervös und rüsteten sich erst ein mal mit dem Schlagstock aus.

Um 16:00 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Richtung Drehscheibe/Boulevard in Bewegung, der Ring wurde passiert und es ging weiter zur Rückseite des Hauptbahnhofs, auch hier erwarteten Antifaschist*innen diesen erneut mit dem 15 m langen Banner.

Um 17:00 Uhr traf der Demonstrationszug am Rathaus ein. Kurz darauf wurde die Veranstaltung von „Querdenken234“ offiziell beendet.

Dank gilt allen Antifaschist*innen, die auf der Straße waren und ihren Unmut klar und deutlich zum Ausdruck gebracht haben.

Bochum bleibt stabil gegen Antisemitismus und Verschwörungsmythen!

Antifa 4630

„Wir reden nicht mit denen, die mit Nazis marschieren!“ – Bericht zu den Aktivitäten von „Querdenken 234“ am 03.04.2021

Wie mittlerweile jeden Samstag hat Querdenken234 am 03.04. in Bochum zu einer Kundgebung am Dr. Ruer-Platz aufgerufen, diesmal jedoch mit der Forderung „Dialog jetzt“. Mehrfach wurden Gegendemonstrant*innen aufgefordert, ans offene Mikro zu gehen, um zu „diskutieren“. Die Rahmenbedingungen hierzu wurden von Querdenken234 festgelegt. Da mehrere Menschen in den letzten Monaten ungute Erfahrungen in Diskussionen mit Querdenken und Co – sei es im direkten Kontakt, sei es am offenen Mikrofon – gemacht hatten und sich am Ende von einer schreienden Meute umringt sahen, hatte verständlicherweise zunächst niemand Nerven, sich vor die Kundgebung zu stellen. Kleiner Spoiler: Am Ende der Kundgebung traute sich ein Schüler vor die Menge und versuchte zu diskutieren und wurde prompt ausgelacht und niedergeschrieen, Diskussion geht anders!

Begonnen hat die Demo mit einem Gruß nach Stuttgart, wo zeitgleich eine große Querdenken-Demonstration stattfand. Noch während die Anmelderin der Bochumer Kundgebung ihr Bedauern ausdrückte, selbst nicht in Stuttgart zu sein, „Friede, Freude, Demokratie“ skandieren liess und die Artikel der Grundrechte auflistete, erreichten uns aus Stuttgart Berichte von bedrohten Journalist*innen. Pressefreiheit ist übrigens im Artikel 5 des Grundgesetzes festgelegt.

Wie immer auf Querdenken-Kundgebungen wird der Artikel 2 des Grundgesetzes bemüht und mit „freier Entfaltung“ abgekürzt. Vergessen wird hierbei sehr gerne, dass dieser Artikel 2 auch einen 2. Satz enthält: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich.“ Dass es sich hierbei nicht nur um die eigene körperliche Unversehrtheit und Freiheit handelt, sondern auch um die der Anderen und insbesondere auch der sogen. „Schwächeren“ wird gerne übersehen.

 

Antifaschist*innen?

Antifaschist*innen hatten vor der Kundgebung Flyer an Laternen angebracht u.a. mit der Aufschrift „Wir reden nicht mit denen, die mit Nazis marschieren!“. Daneben fanden sich aber auch andere Flyer mit Zahlen und Fakten zur Corona-Pandemie (1). Insbesondere oben erwähnter Flyer führte zu einer allgemeinen Empörung, sieht man sich doch selbst im Kampf gegen Faschismus. Ein Artikel der Onlinezeitung „Ruhrbarone“ (2), ein Beitrag von Radio Bochum (3) sowie ein Blogbeitrag von Bochumer Antifaschist*innen hatten auf antisemitische, Shoah-relativierende Vorfälle am Rande der vorangegangenen Querdenken234-Kundgebung mit anschliessender Demonstration bezogen, hier wurde u.a. ein Polizist mit KZ-Wächtern verglichen. In einem Redebeitrag wurde dann in einer abenteuerlichen Argumentationskette dargelegt, wieso dies 1. nur die Äußerung einer einzelnen Person sei und 2. gerade diese Äußerung belegt, dass man gegen Faschismus kämpfen würde….Und überhaupt hätte eine solche Aussage nichts mit Antisemitismus zu tun, aha.

Weiter sind in Bochum in der letzten Woche an der Erzbahntrasse antisemitische Schmierereien aufgetaucht. Die Schriftzüge wie „BRD AG = KZ“ oder „No Media – No Virus“ wurden entlang des Fahrradweges zwischen Westpark und Hordel gesprüht. Ebenfalls wurde versucht das für den Jahrestag des rechtsterroristischen Anschlages in Hanau am 19.02.20 entstandende Graffiti im Westpark mit den gleichen geschmierten Sprüchen zu zerstören. Dank fleißiger Antifaschist*innen verschwanden alle Sprüche auf der Trasse nach einigen Tagen wieder und auch das riesige „Rassismus tötet“ an der Wand im Westpark wurde umgehend ausgebessert. Danke Antifa!

Auch wenn „Querdenken 234“ in einer jetzt auch schriftlich erschienen Stellungnahme behauptet, nichts mit dem Geschmiere zu tun zu haben, zeigt dies dennoch eindrucksvoll, welch Geistes Kindes Verschwörungsideolog*innen sind. Hier wird nicht vor Holocaust Verharmlosung und der Zerstörung eines Gedenkens an die von einem Rechtsterroristen Getöteten zurückgeschreckt.

Wir dokumentieren in den folgenden Bildern die Stellungnahme von Querdenken:

Der Vorfall am 27.03.21 war nicht das einzige Ereignis dieser Art von Querdenken in Bochum. Der bei Querdenken234 gern und oft gesehene Redner Dr. Treibel verglich sich im November auf einer Veranstaltung mit Dr. Otto Ruer, einem jüdischen Arzt und Oberbürgermeister von Bochum, der 1933 von den Nazis vertrieben und in den Suizid getrieben wurde, schwafelte geschichtsvergessen vom „Ermächtigungsgesetz“ und dass „wir wieder eine Situation wie 1933 erleben“. Auf seinem Blog vergleicht der Internist Treibel übrigens die RNA-Impfstoffe gegen SARS-CoV2 mit der Euthanasie der Nazis und erörtert im selben Artikel, dass „Bezeichnenderweise (…) gerade einzelne Christengemeinden und jüdische Gemeinden (…) den genetischen Eingriff verweigern.“ Einfach nur widerlich!

In einer weiteren Rede wurde sich u.a. positiv auf den im Ruhrgebiet sehr umtriebigen Michael Schele bezogen, eben jeder Schele, der in Kassel Gegendemonstrant*innen körperlich angriff und einen Polizisten beleidigte („Du Arschloch“) in Duisburg die Presse bedrohte („Euch kriegen wir auch noch am Arsch.“). In derselben Rede wurde von der „New World Order“, der „internationalen Finanzmafia“ geschwafelt und im selben Satz kritisiert, dass „Israel zuerst geimpft wird“. Der Verschwörungsmythos der „New World Order“ ist eine seit langem erzählte und radikal antisemitisch aufgeladene Erzählung (4-8)

Deutschlandweit werden auf Querdenken-Veranstaltungen regelmässig geschichtsrelativierende und Shoah-verharmlosende Reden, Banner etc. dokumentiert, die Liste ist lang und reicht vom gelben Davidstern mit der Aufschrift „ungeimpft“ zu unsäglichen Vergleichen mit Opfern des Nationalsozialismus wie Sophie Scholl oder Anne Frank. Eine Distanzierung hiervon findet man auch in Bochum nicht. Deutschlandweit sieht man auf Querdenken-Demos Reichskriegsflaggen, prominente Redner mit Verstrickungen in die Rechte Szene wie Torsten Schulte sowie Zusammenarbeit mit Reichsbürgern wie Peter Fitzek und, und, und – kritische Auseinandersetzung? Fehlanzeige!

Und darum gilt auch weiterhin: „Wir reden nicht mit denen, die mit Nazis marschieren!“ Wir könnten es ergänzen durch „Wir reden nicht mit denen, die systematisch den Holocaust verharmlosen!“

Die Mutmassung, die Gegendemonstrant*innen wären bei „echten“ Nazis aus lauter Angst nicht vor Ort, hat übrigens für große Erheiterung gesorgt, handelt es sich doch gerade hier um Menschen, die seit Jahren stabilen antifaschistischen Protest auf die Strasse bringen.

Kollateralschäden oder fundierte Kapitalismuskritiker

Ein weiterer Redner führte „Kollateralschaden“ auf und unterstellte den Gegendemonstrant*innen Gleichgültigkeit diesbezüglich. Wie so oft fand sich hier eine Mischung aus berechtigter Kritik an sozialer Ungerechtigkeit, Kapitalismus, Unterfinanzierung von z.B. Schulen etc. auf der einen Seite und Verharmlosung der Corona-Pandemie auf der anderen Seite. Kritik an manchen Coronamaßnahmen, Unterfinanzierung des Bildungssektors und seit Jahren bestehenden Stellen- und Bettenabbau in Kliniken – um nur einige Beispiele zu nennen – ist durchaus berechtigt. Es ist ja nicht so, als wären die Gegendemonstrant*innen Verfechter*innen einer konzernfreundlichen, eurozentristischen CDU-Politik.

Gefährlicher als Grippe

Die Sterblichkeit der COVID-19-Erkrankung oder der SARS-CoV-2-Infektion (was ja nicht automatisch dasselbe ist) ist schwer zu bestimmen, ebenso wie die Sterblichkeit der saisonalen Grippe, da die genaue Zahl der Fälle bei BEIDEN Erkrankungen nicht bekannt ist, bei Grippe ist das sogen. Dunkelfeld erheblich größer.

2 große vergleichende Studien aus den USA (9) und Frankreich (10) zeigten eine eindeutig höhere Sterblichkeit der hospitalisierten COVID 19 Patienten im Vergleich zu hospitalisierten Grippepatienten. Auch konnte in beiden Studien konstant gezeigt werden, dass die Rate schwerer Komplikationen wie septischer Schock, Lungenversagen, Nierenversagen und schwere Gefäßereignisse erheblich und hoch signifikant höher lag. In der Französischen Studie mussten etwa doppelt soviel Patienten künstlich beatmet werden, die Intensivaufenthalte waren in etwa doppelt so lang. In der amerikanischen Studie (Covid 19 fb-Juni 2020 vs. Influenza 2017-2019) wurde die Sterblichkeit um den Faktor 5 (Oddo Ratio 4,97) und das Risiko eine künstliche Beatmung zu benötigen um den Faktor 4 höher angegeben. Die Influenza Letalität wird auf 0,1-0,2% geschätzt (bzw. bei der schweren Grippewelle 2017 / 2018 0,5%), eine Studie, die die Influenza Sterblichkeit in den USA über 5 Jahre mittelte kam auf 0,05%. Selbst bei einer niedrig gegriffenen Corona Sterblichkeit sind es im internationalen Vergleich ca. 16 mal soviel verstorbene Patient*innen. Bei den Angaben zu den an Influenza verstorbenen Menschen handelt es sich um Hochrechnungen aus der Übersterblichkeit, während es sich bei SARS-CoV2 um laborbestätigte Fälle handelt.

Die sogenannte Heinsberg Studie von Prof. Streeck wird gerne immer wieder bemüht. Woher die in der Rede angegebene Sterblichkeit von 0,2% kommt, erschliesst sich nicht, wird die sogenannte Infection Fatality Rate (IFR) doch mit 0,37 angegeben. Und auch die kann schon seit einer ganzen Weile nicht mehr aufrecht erhalten werden, da diverse Todesfälle nicht erfasst wurden, mittlerweile wird die Zahl hier von unabhängigen Beobachter*innen mit 0,41% angegeben (12). Auch muss erwähnt werden, dass die Studie von ihrem Beobachtungszeitraum und der Menge an eingeschlossenen Personen sowie einem nicht repräsentativem Altersquerschnitt für eine Aussage bzgl. einer weltweiten (oder auch nur eutschlandweiten) Sterblichkeit nicht ausreicht (nicht ausreichend gepowert ist, würden hier Medizinstatistiker*innen sagen).

Nicht berücksichtigt sind hier die Langzeitfolgen einer überstandenen Coronaerkrankung, die z.T. Wochen und Monate anhalten können und einhergehen mit Dauererschöpfung, kognitiven Verlusten, Atemwegsproblemen, Herz-Kreislaufbeschwerden, Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Blutbildveränderungen etc. und derzeit noch nicht gut systematisch untersucht sind, Expert*innen gehen von mind. 10-20% aller Patient*innen aus. Ähnliches ist von der Influenza nicht bekannt.

Mehr Todesopfer durch Lockdown-Maßnahmen?

Zu Todesopfern durch Lockdown-Maßnahmen wurden wilde und erschreckende Zahlen in die Menge geworfen, die durch keine fundierte wissenschaftliche Untersuchung bestätigt werden können. Die zitierten Zahlen stammten aus einer Hochrechnungen und Annahmen.

Was ist nun belegt? Trotz des Rückgangs anderer Todesursachen wie Straßenverkehr und andere Infektionskrankheiten (wie Influenza- und Noroviren) konnte zwischenzeitlich eine Übersterblichkeit in Deutschland belegt werden. Man könnte nun vermuten, dass diese Übersterblichkeit nicht durch SARS-CoV2-bedingt ist, es fällt dennoch auf, dass insbesondere in Regionen mit hohen Infektionszahlen die Übersterblichkeit besonders deutlich ausfällt. (13-16)

In vielen Punkten müssen wir dem Vortragenden Recht geben: Es ist besorgniserregend, dass beispielsweise Herzinfarkt-Patient*innen später in die Notaufnahmen kommen, dass die Zahl von Vorsorgeuntersuchungen zurückgegangen ist, da die Menschen Termine nicht wahrgenommen haben oder aus Angst vor dem Virus zu spät Hife geholt haben. Hierbei ist einzuwerfen, dass nicht die Lockdown-Massnahmen ursächlich sind, sondern die Angst vor der Erkrankung. Die Blutbanken melden einen Rückgang an Blutprodukten, psychische Probleme nehmen zu etc. Die Privatisierung des Gesundheitswesen führt seit Jahren zu einer schlechteren Patient*innenversorgung, Verschlechterung der Arbeitsbedingungen etc.

Die Zunahme häuslicher Gewalt ist ein weiterer Punkt, den wir ebenfalls sehen. Seit Monaten warnen Initiativen und Gruppem auch antifaschistische Gruppen hier, veröffentlichen Notruf Nummern und bieten niederschwellig Hilfe an.

Insbesondere die Menschen in den Ländern des globalen Südens sind zunehmend von Armut und Hunger bedroht. Massnahmen, die für europäische und nordamerikanische Länder gelten, können hier u.U. Schaden anrichten. Strukturierte Untersuchungen hierzu sind so gut wie nicht zu finden. Das Aussetzen von Tuberkuloseprogrammen, die Verzögerung des Masern-Impfprogramms (ja wir finden Impfen wichtig!) in afrikanischen Ländern hat zu einer erhöhten Sterblichkeit an diesen Infektionserkrankungen geführt.

Die Themenliste ist lang, auch das ist uns sehr wohl bewusst. Viele dieser Probleme bestanden bereits vor der Pandemie und haben sich hierdurch weiter verschlechtert oder sind in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Corona wirkt wie ein Brennglas auf viele soziale Probleme.

Doch statt einer strukturierten Analyse der Probleme und deren Ursache wie eine fundierte Kritik an dem kapitalistischen Wirtschaftssystem, der hiermit verbundenen Privatisierung des Gesundheitssystems mit Ausrichtung auf Gewinnmaximierung, der Ausbeutung der Menschen des globalen Südens etc. werden schnell Schuldige („Die Regierung“ „die Systemmedien“ …) ausgemacht, eine pandemische Bedrohungslage geleugnet und das Leid von Menschen ignoriert und verhöhnt. Und auch wenn wir den Redner*innen der Querdenken234 Demonstration in einigen Punkten zustimmen mussten, unterscheiden wir uns dennoch ganz erheblich: Wir leugnen keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, wir leugnen keine Pandemie! Unsere Antwort heisst Solidarität! Bereits früh haben wir begonnen Gabenzäune zu bestücken, Obdachlosenhilfen zu unterstützen und Nachbarschaftshilfe für Menschen aus Risikogruppen anzubieten. Auch während der Pandemie hat die progressive Linke in Bochum nicht aufgehört, Missstände anzuprangern, sich für Geflüchtete einzusetzen etc.

Wenn wir durch das Tragen von Mund-Nasen-Schutz und Einhalten von Hygieneregeln Übertragungen von Erkrankungen verringern können, dann tun wir dies. Wir schüren keine unwissenschaftliche Angst vor Impfungen, wir bedrohen und diffamieren keine Wissenschaftler*innen. Das Ignorieren einer Krise führt nicht zu deren Lösung.

Den Menschen von Querdenken234 sei gesagt: Wir beobachten Eure Bewegung seit Monaten, sehr wenig fällt uns fundierte, konstruktive Kritik und echte Diskussionsbereitschaft auf. An vielen Orten gibt es Beispiele, wie Menschen, die sich vor Euch ans Mikro stellen oder am Rand mit Euch diskutieren wollen, im besten Fall niedergebrüllt werden, in einigen Fällen sogar Gewaltandrohungen erhalten. Euch geht es nicht um Diskussion, Euch geht es nicht um gesellschaftlichen Fortschritt hin zu einer gerechteren Gesellschaft! Ihr schert Euch einen Dreck um Obdachlose, Betroffene häuslicher Gewalt oder Menschen, die an den EU-Außengrenzen verrecken! Menschen, die an COVID-19 versterben oder an Langzeitfolgen leiden, werden negiert oder auch ins Lächerliche gezogen, sei es durch Lachsmileys in den sozialen Medien, sei es durch hämisches Lachen bei Euren Veranstaltungen. Ihr tragt nichts dazu bei, dass wir alle solidarisch durch die Krise kommen, Euer Verhalten trägt zur weiteren Verbreitung des Virus und Verschlechterug der Lage bei (17). Euch geht es darum, Menschen ins Lächerliche zu ziehen, um Euch auf deren Kosten zu profilieren. Da machen wir nicht mit!

Wir reden nicht mit denen, die sich mit Nazis zusammentun!

Wir reden nicht mit denen, die den Holocaust relativieren oder dies in ihren Reihen dulden!

Wir reden nicht mit denen, denen das Leid von Menschen zur eigenen Profilierung dient!

Antifa 4630

 

Literaturverweise:

  1. https://antifabochum.noblogs.org
  2. https://www.ruhrbarone.de/bochum-antisemitische-vorfaelle-im-rahmen-der-corona-pandemie/197855
  3. https://www.radiobochum.de/artikel/antisemitismus-vorfaelle-bei-querdenkerdemo-912045.html
  1. https://www.deutschlandfunk.de/libertaerer-antisemitismus-hygienedemos-verbreiten-mythos.886.de.html?dram:article_id=477618
  2. Carl-Eric Linsler: Das Komitee der 300 (John Coleman, 1992). In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 6: Schriften und Periodika. De Gruyter Saur, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-025872-1, S. 409–412 (abgerufen über De Gruyter Online); zu Walter Rathenau und den „dreihundert Männern“ siehe Dieter Heimböckel: Walter Rathenau und die Literatur seiner Zeit. Studien zu Werk und Wirkung. Königshausen & Neumann, Würzburg 1996, S. 176.
  3. Michael Barkun: A Culture of Conspiracy. Apocalyptic Visions in Contemporary America. 2. Auflage. University of California Press, S. 60 ff. und 92 f.
  1. Claus Leggewie: Fed up with the Feds. Neues über die amerikanische Paranoia. In: Kursbuch 124: Verschwörungstheorien. (1996), S. 121; Nigel James: Militias. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. Band 2, ABC Clio, Santa Barbara/ Denver/ London 2003, S. 468 f.
  1. Daniel Pipes: Verschwörung. Faszination und Macht des Geheimen. Gerling Akademie Verlag, München 1998, S. 276.
  1. Yan Xie, San Luis, British Medical Journal: Comparative evaluation of clinical manifestations and risk of death in patients admitted to hospital with covid-19 and seasonal influenza: cohort study; BMJ 2020; 371 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.m4677
  2. Pirot, Quantin et al, Dijon, Lancet Respiratory Medicine: The Lancet Respiratory Medicine: COVID-19 causes more severe disease than seasonal influenza, comparison of data from over 130,000 hospitalised patients confirms
  1. Streeck H. et al: Infection fatality rate of SARS-CoV-2 infection in a German community with a super-spreading event; https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.05.04.20090076v2.full-text
  2. https://medwatch.de/2020/11/26/die-ungezaehlten-todesfaelle-aus-gangelt/
  1. https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Gesellschaft/bevoelkerung-sterbefaelle.html
  2. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1103785/umfrage/mortalitaetsrate-des-coronavirus-nach-laendern/
  3. https://www.data4life.care/de/corona/covid-19-statistik-europa/deutschland/
  4. https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Corona/Downloads/dossier-covid-19.pdf?__blob=publicationFile
  5. http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp21009.pdf

Combat 18 Nazi Sebastian Mietze lebt und arbeitet in Bochum Harpen!

Sebastian Mietze

In Bochum Harpen lebt seit einigen Jahren der Neonazi Sebastian Mietze (geb. 08.02.1983 in Bochum). Mietze ist seit Anfang der 2000er aktiver Unterstützer der rechtsterroristischen Gruppe Combat18 (bewaffneter Arm von Blood and Honour). Neben seiner Aktivität in der rechten Szene pflegt Mietze mit seiner Lebenspartnerin Alexandra Auffermann (geb. 02.08.1978) und einer gemeinsamen Tochter ein scheinbar bürgerliches Parallelleben in einer beschaulichen Reihenhaussiedlung im Bernsteinweg 13 in Bochum-Harpen.

 

Der unscheinbare Geschäftsmann

Sebastian Mietze auf Lehrgang von CWS BOCO (jetzt CWS Healtchcare)

Sebastian Mietze arbeitet seit einigen Jahren für das Unternehmen CWS-Boco (CWS Healthcare) an der Josef-Baumann-Straße. Dort ist er im Handel tätig und nimmt zum Teil Aufgaben wahr, die das Unternehmen repräsentieren. Aufermann ist als Friseurin tätig. Bereits vor einigen Jahren wurden rund um die Josef-Baumann Straße Aufkleber der rechtsterroristischen Gruppierung Combat18 verklebt. Combat 18 ist der bewaffnete Arm der Gruppe „Blood and Honour“ und in Europa für zahlreiche rechtsterroristische Anschläge verantwortlich. In Deutschland ist Combat 18 seit Januar 2020 verboten, da die Gruppe sich zum Nationalsozialismus bekennt und die Mitglieder ein rassistisches und antisemitisches Weltbild vertreten. Komischerweise hatte dieses Verbot wenig Konsequenzen für Mitglieder der Gruppierung, die im Ruhrgebiet wohnhaft sind. Zu diesen gehört auch Sebastian Mietze.

 

Oidoxie Streetfighting Crew – auch in Bochum

Oidoxie-Streetfighting-Crew Gruppenbild aus 2006

Mietze gehört seit mindestens 2003 der „Oidoxie Streetfighting Crew“ an, dem bandeigenen Ordnerdienst und Schlägertrupp der Rechtsrockgruppe „Oidoxie“ aus Dortmund. Auf dem Gruppenfoto der Streetfighting Crew aus dem Jahr 2006 ist Mietze deutlich zu erkennen. Oidoxie und ihr Frontmann Marko Gottschalk sind auf nahezu allen Rechtsrockkonzerten bzw. Festivals in der Bundesrepublik zugegen. Sie liefertern mit dem Lied „Terrormachine“ nicht nur eine Hymne für die Gruppe Combat 18, sondern sorgen mit ihren Auftritten auch dafür, dass regelmäßig Geld in die militante Naziszene fließt. Auch der „Streetfighting Crew“ wurde ein gleichnamiges Lied gewidmet. In diesem heißt es u.a.: „Wir halten stets zusammen, Kameradschaft ist das, was uns verbindet. Der Glaube an die Sache, ist das was niemals schwindet. Gemeinsam werden wir unseren Weg gehen. Zusammen siegen oder untergehen. Wir sind nationale Sozialisten. Und stehen auch dazu – Oidoxie Streetfighting Crew.“

 

“Der Glaube an die Sache, ist das was niemals schwindet” – Gepflegte Freundschaften
Auch wenn Mietze öffentliche Neonaziveranstaltungen eher meidet, pflegt er weiterhin freundschaftliche Kontakte in die Szene. So zählen der bereits erwähnte Marko Gottschalk, Agnes Zadow aus Herne, Robin Schmiemann (hat 2007 einen Migranten nach einem Raubüberfall niedergeschossen) und auch Michael Regener aka. Lunikoff (der Sänger der verbotenen Rechtsrock Band Landser) zu seinem Freundeskreis. Mietze begleitete Marko Gottschalk im April 2018 zum extrem rechten „Schild und Schwert Festival“. Er war bereits einen Tag vor Beginn des Festivals anwesend, sodass man davon ausgehen kann, dass er weiterhin zum festen Kreis der Band Oidoxie gehört und diese bei ihren Konzerten unterstützt, wenn nicht sogar in die Planung der Konzerte eingebunden ist.

Exkurs: Agnes Gabriele Zadow – auch Herne hat Bezug zu Combat18
Agnes Gabriele Zadow (geb.: 05.05.1978) lebt mit ihrem Kind aus erster Ehe in der Bergstr.90 in Herne. Auch sie ist Teil der Streetfighting Crew und seit Ende der 90er Jahre Bestandteil der Neonazisszene des Ruhrgebiets. Sie war lange Zeit mit Carsten Köppe, dem Anführer der Kameradschaft Witten-Dortmund, zusammen.
Danach folgte eine Ehe mit Denis Zadow, der ebenfalls Teil von Combat 18 Deutschland war und Frontsänger der Rechtsrockband Strafmass gewesen ist. Auch Strafmass besingt in einem Lied, die rechtsterroristische Gruppe Combat 18. Mit ihm lebte sie bis zur Trennung in Herne. Denis Zadow zog zurück nach Bremen, wo er aufgewachsen ist. Im August 2019 erschien Agnes Zadow mit Mitgliedern der Dortmunder Naziszene bei einem Aufmarsch der rechten “Bürgerwehr” in Herne. Das dortige Erscheinen wird kein Zufall sein, da sie mit Sven Falkenrich, der zum Orgakreise des rechten Aufmarsch in Herne zählte, im selben Haus wohnt.

 

Der Kontakt zu Stanley Röske
Hinzu kommt, dass Sebastian Mietze mehrfach Geld auf das Konto von dem Neonazi Stanley Röske überwiesen hat. Wie Exif Recherche berichtete, diente dieses Konto als Vereinskonto für militante Neonazis, die Combat 18 zugerechnet werden können. So überwies Mietze nicht nur monatliche Mitgliedsbeiträge in Höhe von 15 Euro, sondern auch einmalig 60 Euro als Familienhilfe. Weiterhin tätigte er am 22.08.2016 eine Überweisung in Höhe von 500 Euro auf das Konto von Stanley Röske. Am selben Tag überwies auch die Lebensgefährtin Alexandra Aufermann 300 Euro auf das selbe Konto. Auch Agnes Zadow aus Herne und ihr Exmann Denis Zadow tätigten Überweisungen auf dieses Konto. Stanley Röske ist einer der führenden Köpfe von Combat 18 in Deutschland. Auch er war Teil der „Oidoxie Streetfighting Crew“ und wird namentlich immer wieder mit den Morden des NSU an Halit Yosgat (Kassel) und Mehmet Kubasik (Dortmund) in Verbindung gebracht, da in der Zeit der Morde ein reger Austausch zwischen den Kasseler Nazis um Röske und der Dortmunder Combat 18 Gruppe bestand. Auch zu Stefan Ernst, der im Jahr 2018 den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erschossen hat, hatte Röske nachweislich im Jahr 2002 Kontakt. Es kann davon ausgegangen werden, dass das Geld, welches auf Röskes Konto einging, auch zur Beschaffung von Waffen diente.

“Leibstandarte Adolf Hitler” auf dem Körper

Sebastian Mietze mit Tatto der SS Division Leibstandarte Adolf Hitler auf dem Bein

Auch wenn Mietze versucht ein bürgerliches Leben zu führen, hat er keine Probleme damit, öffentlich Neonazisymboliken zu zeigen. So musste er sich bereits mehrfach wegen Verwendens verfassungsfeindlicher Symboliken vor Gericht verantworten. Geläutert ist er offenbar nicht, denn er ließ sich mehrere Tattowierungen mit einschlägigen Neonazibezug stechen, die man ohne weiteres beim Einkaufen im Bochumer Norden begutachten kann. So tattovierte er sich Wappen diverser SS Divisionen, darunter befindet sich auch das Wappen der SS Division „Leibstandarte Adolf Hitler“. Auf seinem rechten Oberam prangt ein SS Totenkopf und seinen Rücken zieren neben der schwarzen Sonne auf seinem Schulterblatt weitere Neonazitattowierungen.

Die Clique

Sebastian Mietze mit rechter Clique II

Mietze und Aufermann pflegen nicht nur Kontakte zu Neonazis außerhalb von Bochum. So sind sie in einen rechtsoffenen bis rechten Freundeskreis im Bochumer Norden eingebettet. Diese rechte Clique besteht größtenteils aus Männern im Alter von 35-50 Jahren, die gerne rechte Modemarken wie Thor Steinar tragen und am Maischützenabend den „Führer“ grüßen. U.a. haben einige von ihnen einen Motorradclub mit dem Namen „Teutonen“ gegründet.

Sebastian Mietze mit Kutte der Teutonen

Auf Mietzes Motorrad Kutte befindet sich neben dem Namen des Clubs und einigen Runen auch ein Patch der alten Motorradmarke NSU. Das Patch wird sich sicherlich nicht nur auf der Kutte aus Affinität zu eben dieser Motorradmarke befinden, sondern wird auch seine Sympathien zum rechten Terrornetzwerk „National Sozialistischer Untergund – NSU“ ausdrücken. Dass dieser Freundeskreis im Jahr 2016 geschlossen an einer Bürgerversammlung im Amtshaus Harpen gegen die Eröffnung einer Geflüchtetenunterkunft teilnahm, zeigt das rassistische Weltbild dieser Gruppe. Bei dieser Versammlung saß Mietze in der ersten Reihe und ergriff als Ünterstützer eines rechtsterroristischen Netzwerks mehrfach das Wort. Zu seinem Freundeskreis zählt auch der unter Bochumer Gastronomen bekannte Helmut „Manusch“ Schwalm. Dieser war zwar nicht bei der genannten Bürgerversammlung anwesend, behauptete jedoch im Frühjahr 2019 gegenüber der WAZ, dass maßgeblich alkoholisierte Migrant*innen dem Image des Bochumer Bermuda Dreiecks Schaden würden, da sie für Pöbeleien und Belästigungen sorgten. In Anbetracht Schwalms Kontakte zu Combat 18 Sympathisanten überrascht solch eine Aussage seinerseits nicht. Schwalm betreibt das “Kult” im Bochumer Bermuda Dreieck, in dem bereits der Identitäre Bastian Hans als Türsteher arbeitete.

 

Weiterhin verkaufte Mietze als Online Händler lange Zeit unter dem Account “Harpen1488” bei Ebay neben Ersatzteile für Motorräder, auch eine stichsichere Weste. Wozu er im Besitz einer solchen Weste war, wirft Fragen auf. Das bei der Clique aus dem Norden ein Hang zu Waffen und Militärdevotionalien besteht, kann man auch gut an einem alten VW erkennen, dessen Logo in den Reichsfarben lackiert wurde. Auch nahmen sie als Gruppe an größeren Geländespielen auf Bochumer Industriebrachen teil, die an Übungen für Häuserkampf erinnern. Sicherlich ein Hobby, dem viele Menschen nachgehen, welches jedoch unter den genannten Aspekten einen faden Beigeschmack erhält.

Wir fordern CWS-Boco (CWS Healthcare) als Unternehmen, welches deutschlandweit agiert dazu auf, das Arbeitsverhältnis mit Sebastian Mietze zu beenden. Auch rufen wir alle Anwohner*innen im Bochumer Norden dazu auf, uns Informationen zu Sebastian Mietze, Alexandra Aufermann und ihrem rechten Freundeskreis zukommen zu lassen. Wer Kontakte zu militanten rechtsterroristischen Mörderbanden pflegt, muss Konsequenzen erfahren!

Rechtsterroristen und ihre Freunde aus der Anonymität reißen!
Keine Rückzugsorte für Neonazis!

RechercheBO
01.03.2021

 

Ein Dank geht an Exif Recherche, deren Recherchen zu Combat 18 Grundlage für diesen Artikel sind.

Der Neonazi und Brandstifter Patric Knöpke

Patric Knöpke

Seit einigen Jahren berichten Bochumer Antifaschist*innen über ein hohes Aufkommen von rassistischen, antisemitischen und nazistischen Schmierereien im Bochumer Norden, welche sich im Jahr 2020 Richtung Wattenscheid verlagerten.
Hinter diesen Schmierereien steckt der Neonazi Patric Knöpke (geb. 1987 in Mülheim). Knöpke kommt ursprünglich aus Mülheim-Broich und zog nach einer Haftstrafe nach Gladbeck.

In Gladbeck hielt es ihn jedoch nicht lang, sodass er wahrscheinlich im September/Oktober 2018 nach Bochum zog. Er lebte dort bis Anfang 2020 in der Zunftwiese 92. Dabei verbreitete er während er im Bochumer Norden wohnte, genauso wie an seinen anderen Wohnorten zuvor, zahlreiche rassistische und neonazistische Schmierereien. Dazu zählten beispielsweise Hakenkreuze und antisemitische bzw. antimuslimische Parolen. So prangte ein ca. 20m langes “Die Juden sind unser Unglück und die Moslems unser Untergang” an der Radtrasse die gen Norden geht. Anwohner*innen und Antifaschist*innen haben die Schmierereien regelmäßig entfernt. Auch ein “gefälschtes” Schreiben der Stadt Bochum rief Anwohner*innen dazu auf, rassistische Schmierereien und ggf. Informationen zu den Urheber*innen zu melden. Nun werden diese Informationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Bereits in Mülheim war Knöpke bekannt, weil er im Umfeld des AZ Mülheim mehrfach Probleme verursachte. Knöpke hat ein aggressives Auftreten und gilt als unberechenbar. Er verbüßte bereits mehrere Haftstrafen, u.a. wegen schwerer Körperverletzung, Sachbeschädigung, Volksverhetzung und Brandstiftung. Er wurde für 22 Brandstiftungen zwischen den Jahren 2010 und 2012 verantwortlich gemacht. 2018 störte er u.a. mit dem Neonazi Robin Zahn und dem Identitären Noah von Stein in Essen eine „Wir sind mehr“ Demonstration.

Patric Knöpke mit Robin Zahn und Noah von Stein am 13.09.2018 in Essen bei der Störung einer „Wir sind mehr“ Demonstration

Wir gehen davon aus, dass Knöpke mehrfach das Graffiti in Gedenken an die Opfer des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau übermalt hat. Diese Vermutung liegt nahe aufgrund des angebrachten Schriftbildes, als auch aufgrund der Tatsache, dass Knöpke regelmäßig im Umkreis des Bochumer Westpark mit seinem Hund beim Spaziergang gesichtet wurde. Es kann also davon ausgegangen werden, dass er zwischen dem Bochumer Westpark und Wattenscheid wohnen wird. Vorallem in Wattenscheid sind seit einigen Monaten vermehrt Nazischmiereien aufgetaucht. Auch in der U-Bahn Haltestelle Bochumer Verein/Jahrhunderthalle tauchte sein Graffiti Name sowie rechte Sticker und Hakenkreuze auf. Darüber hinaus verkehrt er regelmäßig auch in Gelsenkirchen und Essen-Steele. Dort sind Graffitis aufgetaucht, die Knöpke zugeordnet werden können. Oftmals verwendet Knöpke dieselben Schablonen in Form eines kleinen Hakenkreuzes oder des Konterfei eines Wehrmachtsolaten. Bereits in Gladbeck nutzte er im Mai 2018 solche Schablonen. Da Knöpke nicht nur eine Affinität zu Gewalt, sondern auch zum Rad fahren hat, hinterlässt er vorallem an den gut ausgebauten Radtrassen in Bochum und Umgebung seine Kürzel.

Während des Weihnachtsmarktes im Jahr 2019 arbeitete Knöpke als Zeitarbeiter an dem bekannten Kerzenstand auf der Bochumer Kortumstraße. In Sichtweite zum Stand hinterließ er ebenfalls seine Kürzel und rechte Aufkleber. In diesem Zeitraum kam es vermehrt zu Nazischmierereien auf der Bochumer Huestraße in der Bochumer Innenstadt. Weiterhin hat sich Knöpke mehrere einschlägige Nazitattoos stechen lassen, u.a. am Hals eine schwarz-weiss-rote Banderole mit dem dem SS-Slogan “Meine Ehre heißt Treue”. An dieser Banderole hängt wiederum ein Eisernes Kreuz, auf dem sich ein Hakenkreuz befindet. Ein weiteres Hakenkreuz befindet sich auf seinem Oberarm, auf dem auch ein SS-Totenkopf gestochen wurde. Eine Schwarze Sonne “ziert” seinen Ellenbogen.

Neben dem Nazigeschmiere hat sich Knöpke auch zunächst unpolitische Graffiti-Kürzel zugelegt. So malt er “BDG 247”, “KP”, “HL”, “Heil” und “Koma”. (Vorsicht: Verwechslungsgefahr mit dem Sprüher “Koma” aus Gelsenkirchen.)

Obwohl Patric Knöpke scheinbar seit Jahren an verschiedenen Orten im Ruhrgebiet für das Anbringen von Nazipropaganda verantwortlich ist, wurde bisher nichts zu seiner Person veröffentlicht. Da er augenscheinlich häufiger umzieht, haben wir uns für diese Veröffentlichung entschieden, damit an potentiell neuen Wohnorten die “Recherche” zu Patric Knöpke leichter fällt.

Antifaschistische Linke Bochum,
Februar 2021

 

 

Beiträge zu Gladbeck:
https://www.waz.de/staedte/gladbeck/unbekannte-bespruehen-laternen-in-gladbeck-mit-hakenkreuzen-id214804015.html

https://www.waz.de/staedte/gladbeck/taeter-spruehen-hakenkreuz-auf-stromkasten-in-gladbeck-id215203349.html

https://www.derwesten.de/region/hakenkreuz-moschee-gladbeck-id215459493.html

https://www.lokalkompass.de/gladbeck/c-ratgeber/gladbeck-hakenkreuzschmierereien-im-nordpark_a890544

https://www.lokalkompass.de/gladbeck/c-politik/nazi-schmiererei-in-gladbeck-mitte-farbenfrohes-graffiti-soll-hakenkreuz-schon-bald-ueberdecken_a892293

https://www.wr.de/staedte/gladbeck/schon-wieder-nazi-schmierereien-in-gladbeck-entdeckt-id214308925.html

Mülheim:
https://www.derwesten.de/staedte/muelheim/24-jaehriger-soll-autos-in-muelheim-essen-und-oberhausen-angezuendet-haben-id6281973.html

 

Antifa Report Februar 2021

Antifa Report 2021

Seit unserem letzten Antifa Report aus dem September 2020, ist einiges passiert in rechten Szene auf lokaler Ebene. Da waren die Kommunalwahlen, diverse verschwörungsideologische Veranstaltungen, sowie Interventionen gegen lokale Neonazis.

Neben den Aktionen die sich gegen die extreme Rechte richteten, wurden auch einige Solidaritäts- und Gedenkaktionen initiiert. So nahmen am 13. September 2020 50 Menschen am jährlichen Gedenken an die Bochumer Widerstandskämpfer*innen teil. Im Rahmen der Räumung des queer-feministischen Hausprojekts Liebig 34 wurde die Antoniuskirche in Bochum West kurzweilig besetzt. Wir haben uns mit den Protesten in Belarus und den Menschen im Flüchtlingslager Moria solidarisiert und ein Gedenken für Josef Anton Gera durchgeführt, welcher 1997 von Neonazis in Bochum ermordet wurde.Bereits in diesem Jahr haben wir anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz eine Plakataktion im Bochumer Stadtgebiet durchgeführt, dem Bochumer Widerstandskämpfer Erich Schröder gedacht und am vergangenen Samstag ein Graffiti in Gedenekn an den rassistischen Terroranschlag von Hanau gemalt.

Rassimus tötet – Graffiti in Gedenken an den rassitsichen Terroranschlag von Hanau I

Der Fokus dieses Berichts liegt allerdings, wie gehabt, auf den Aktivitäten der extremen Rechten in Bochum.

Die Kommunalwahlen 2020 – in Bochum bleibt der große Erfolg für die rechten Parteien aus

Am 13. September 2020 fanden in ganz NRW die Kommunalwahlen statt. In Bochum ging es dabei unter anderem um die Wahl des/der Oberbürgermeister*in, des Rates, sowie des Ruhrparlaments.

Ergebnis Komunalwahl Bochum 2020

NPD Bochum

Symbolbild NPD Bochum

Für die Bochumer NPD war diese Wahl ein Desaster. Sie konnte zwar im Vergleich zur Europawahl 2019 einen geringen Stimmzuwachs verzeichnen, hat aber verglichen mit den letzten Kommunalwahlen deutlich weniger Zustimmung aus der Bevölkerung bekommen und musste somit ihre zwei Plätze im Rat der Stadt räumen.

Der ehemalige Stadtrat Francis Marin verkündete daraufhin enttäuscht das Ende seiner politischen “Karriere”. Wie Ernst dieses “Ende” zu nehmen ist, zeigte er bereits kurze Zeit später, als er am 17. Oktober 2020 an einer NPD-Kundgebung in Bremerhaven teilnahm. Nach der Kommunalwahl nahmen die Aktivitäten der NPD auch aprupt ab. Das fehlende Geld und die fehlenden Räumlichkeiten machten sich schnell bemerkbar. Von der groß angekündigten außerparlamentarischen Offensive ist bisher nicht viel zu sehen. Trotzdem müssen wir davon ausgehen, dass im Hinblick auf die Bundestagswahl im kommenden Herbst auch die NPD wieder häufiger Aktionen durchführen wird.

Apropos NPD: Diese hielt am 15.11.2020 wie auch schon in den vergangenen Jahren ein Heldengedenken ab. Dieses Mal waren sie im Volkspark Günnigfeld in Wattenscheid. Mit von der Partie waren unter anderem Detlef Fergee aus Essen/Mülheim, Claus Cremer, Marco vom Brocke, Shauna-Charis Seidel sowie Karsten Römhild.

AfD Bochum

Auch die Bochumer AfD musste mit ihrem Ergebnis von 5,62% bei der Bezirksvertretungs- sowie der Ratswahl, im Vergleich zur Europawahl 2019 ca. ein Drittel der damals erreichten Stimmen einbüßen. Der Negativtrend bei den Wahlergebnissen der Partei setzt sich also auch auf lokaler Ebene fort und wird hoffentlich auch bei der Bundestagswahl in diesem Jahr keinen Aufwärtstrend erfahren. Die AfD konnte allerdings verglichen mit der letzten Kommunalwahl 2014 einige Wähler*innen gewinnen und hat somit die zwei von der NPD verlorenen Plätze im Rat übernommen und auf fünf aufgestockt.
Gabriele Walger-Demolsky und Christian Loose mussten allerdings ihre Positionen räumen und machten Platz für neue Leute. Aktuell sitzen im Rat also die Neulinge Markus Schröder, Nicole Scheer, Christian Krampitz und Lars Schmidt, sowie Jens Wittbrodt, welcher schon vorher für die AfD im Rat saß.

Eine ausfühliche Analyse zu den Wahlergebnissen der AfD bei dieser Wahl gibts hier: https://afdwatchbo.noblogs.org/post/2020/09/28/wahlanalyse-zur-kommunalwahl-2020-in-bochum/

 Bürger-Aufbruch

Als außerparlamentarische Vorfeld Organisation der AfD versucht sich seit einigen Wochen eine Gruppierung mit dem Namen “Bürger-Aufbruch”. Diese Gruppe erinnert sowohl vom Auftreten, als auch von den verwendeten Layouts stark an die Identitäre Bewegung. Dies liegt maßgeblich daran, dass die ehemaligen IB Akteure aus Bochum und Umgebung auch für die neue “Gruppierung” vernantwortlich sind. Zu ihnen zählt u.a. Noah von Stein, der auch bei der Jungen Alternativen Arnsberg aktiv ist. Ebenfalls kann ein junger Mann der “Bürgerbewegung Aufbruch” zugeordnet werden, der am 21.11.2020 am Rande der Querdenken Veranstaltung am Kirmesplatz mehfach Auseinandersetzungen mit Antifaschist*innen suchte. Neben Flyersteckaktionen und Banneraktionen an der Ruhr Universität Bochum und in Witten, veranstalteten sie am 29.01.2021 eine kleine Aktion in der Bochumer Innenstadt, um gegen den “anbahnenden Niedergang des Mittelstandes” zu protestieren. Dazu stellten sie Schilder und Grabkerzen vor Geschäften auf, die aufgrund des Corona Lockdown momentan geschlossen sind.

Querdenken 234

Nach Vorbild der Organisation “Querdenken 711” aus Stuttgart, hat sich im Herbst letzten Jahres auch in Bochum ein Ableger der verschwörungsideologischen Gruppe gegründet. Groß angekündigt war ihre erste eigene Aktion im Bochumer Bermudadreieck, letztendlich haben es jedoch nur ca. 20, in weißen Maleranzügen gekleidete Personen zum Treffpunkt geschafft – ein schwacher Start für die Corona-leugner*innen.
Mit Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen, spitzte sich allerdings auch die Situation mit deren Gegner*innen zu. Nur zwei Wochen nach ihrem Auftakt stieg die Anzahl der Coronaleugner*innen auf das 6-fache an. So liefen sie am 7. November bereits mit ca. 120 Anhänger*innen, ausgerüstet mit Trommeln durch die Bochumer Innenstadt.
Gegen Ende ihres Spaziergangs gesellte sich auch Bastian Hans, von der Bochumer IB zu der sektenähnichen Gruppe dazu.

Nachdem die Woche darauf knapp 200 Leute mit ihnen durch die Stadt spazierten, sammelten sich am 21. November 2020 ca. 1000 Menschen beim “Fest für Frieden, Freiheit und Liebe” auf dem Kirmesplatz an der Castroper Straße. Mobilisiert wurde für diese Veranstaltung unter anderem auch von Seiten der Bochumer NPD, welche auch durch ihre Anwesenheit unterstützte. So waren unter anderem Claus Cremer und Dennis Bieckhofe aus Dülmen vor Ort. Des Weiteren gesellten sich auch einige Mitglieder der Bruderschaft und Schwesternschaft Deutschland zu der kruden Menschenmenge. Unter anderem waren Sabrina und Michael Wehnes aus Herne, sowie Kai Kratochvil aus Düsseldorf anwesend. Nach der Rede von Querdenken Initiator Michael Ballweg leerte sich der Platz allerdings schnell und so war gegen Ende der Veranstalltung nur noch ein Bruchteil der anfänglich anwesenden Personen vor Ort. Ebenfalls einen Redebeitrag hielt der Bochumer Arzt Andreas Triebel. Gegen Triebel läuft momentan ein Verfahren, da er wohl auffällig häufig Atteste ausstellte, die das Nicht-Tragen einer Mund-Nasen Maske erlaubten. So kam es auch zu einer Razzia in seiner Praxis an der Dorstener Straße.
Begleitet wurde die ganze Veranstaltung von einem breiten Gegenprotest aus verschiedenen antifaschistischen Zusammenhängen, an dem sich insgesamt ca. 600 Personen beteiligten, die sich um den Kirmesplatz positionierten.

Nach ihrem großen “Fest”, bei dem Querdenken 234 – vermutlich vor allem durch die Anwesenheit Ballwegs – einen recht großen Zuspruch bekam, schrumpfte die Zahl der Anhänger*innen dieser Veranstaltungen. Seit dem Dezember 2020 nehmen relativ kontinuierich ca. 60 Personen an den mittlerweile ziemlich unspektakulären Querdenken Kundgebungen teil (es wurde regelmäßig auf antifabochum.noblogs.org berichtet). Trotzdem kann festgehalten werden, dass “Querdenken234” in ihrem kurzen Dasein mehrfach Neonazis und extreme Rechte auf ihren Veranstaltungen duldete, antisemitische Narrative verbreitet und mehrfach die Verbrechen des Nationalsozialismus durch geschmacklose Vergleiche relativierte. So wie am 21.11.2020 als eine Rednerin die Corona Maßnahmen der Bundesregierung und insbesondere das Tragen einer Mund-Nasen Maske mit den Vebrechen und Menschenversuchen von Josef Mengele zu Zeiten des Nationalsozialismus verglich.

Für den Erhalt der Freiheit” mit der Bruderschaft Deutschland:

Auch bei den seit Mai 2020 stattfindenden “Für den Erhalt der Freiheit” Kundgebungen gab es im letzten Monat ein paar spannende Ereignisse. Die im großen und ganzen recht unspektakulären Kundgebungen auf dem Bochumer Husemannplatz hatten Anfang dieses Jahres Besuch von der “Bruderschaft/Schwesternschaft Deutschland”.
Nachdem über die örtliche verschwörungsideologische Telegramgruppen zum sogenannten “D-Day 2.0” mobilisiert wurde, nahmen am 2. Januar 2021 ca. 25 Personen der “Bruderschaft und Schwesternschaft Deutschland”, sowie “NRW stellt sich quer” an der Kundgebung auf dem Bochumer Husemannplatz teil – darunter unter anderem Sabrina und Michael Wehnes aus Herne, welche die Bruderschaft/Schwesternschaft auch schon am 21.11.2020 auf dem Kirmesplatz repräsentierten. Sie positionierten sich rund um den Husemannplatz und bauten ein extremes Bedrohungsszenario auf. Gegen Abend mussten sie allerdings einen Dämpfer hinnehmen, als ihnen eine Gruppe Unbekannter eine offensive Ansage machte und es kurz zu einer körperlichen Auseiandersetzung kam.
Trotz einer Distanzierung seitens der Organisator*innen der Kundgebung gegenüber der Bruderschaft und Schwesternschaft tauchten auch eine Woche später ca. 35 Anhänger*innen der rechten Gruppierungen auf. Diesmal mit Unterstützung der Steeler Jungs, welche sich vorab am Bahnhof Essen Steele-Ost trafen und sich mit 6 PKWs auf den Weg Richtung Bochum machten. Doch auch bei ihrem zweiten Versuch ein Bedrohungsszenario in der Innenstadt aufzubauen, mussten sie eine Rückschlag hinnehmen. Von Beginn an wurde die Kundgebung von einem maßiven Polizeiaufgebot umstellt und für den Großteil der Anwesenden Platzverweise ausgesprochen. Die Anwesenden Nazis kamen an diesem Tag aus Essen, Mülheim, Düsseldorf, Herne und Köln.
Als Initiator*innen der Besuche können Sabrina und Michael Wehnes gesehen werden. Sabrina Wehnes ist die Präsidentin der Schwesternschaft Deutschland und war bereits 2019 die Anmelderin von extrem rechten Aufmärschen in unserer Nachbarstadt Herne. Ihr Mann Michael ist ebenso Teil der Bruderschaft Deutschland und besucht seit Jahren extrem rechte Veranstaltungen. Beide fuhren auch am 03.10.2020 zum Aufmarsch des neonazistischen Kleinstpartei III. Weg nach Berlin.

Die “Für den Erhalt der Freiheit”-Kundgebungen rund um den Organisator Peter Florian scheinen immer weniger Anklang zu finden. So haben sich beispielsweise am Samstag den 6.2.2021 nur zwei einsame “Freiheitskämper” auf dem Husemannplatz getroffen, um die Passant*innen mit ihren verschwörungtheoretischen Ansichten zu beschallen. Peter Florian stammt aus dem Umfeld des aufgrund von sexuellen Übergriffen in Verruf gekommenen Schumacher Clubs in Bochum. U.a. wird auch eine Anlage aus dem Club für die verschwörungsideologischen Veranstaltungen genutzt.

Was seit Beginn der Corona Pandemie immer häufiger vorkommt, ist verschwörungsideologische Propaganda. Ob in Form von Schmierereien, kleinen Flugzetteln, proffesionell gedruckten Flyern oder Aufklebern. Teilweise wurden “impfkritische” Flyer massenhaft in Bochumer Stadtteilen verteilt. Die Ausgabe ist u.a. von der Orgagruppe von “Querdenken234” organisiert wordn.

Neonazi-Pärchen in Altenbochum geoutet:

Andre Fuhr und Marnie Wachmann

In der Nacht auf den 23. November 2020 wurden in Bochum die Neonazis Marnie Janice Wachmann und ihr Freund Andre Fuhr geoutet. Wachmann, die sich seit Jahren in extrem rechten Kreisen bewegt, wohnt im Freigrafendamm 19 in Altenbochum. Sie ist, genau wie ihr Partner Fuhr seit Jahren Teil der Dortmunder Neonazi-Szene und war aktiv bei der aufgelösten Nazikameradschaft AG West. Nach dem Outing ist Fuhr offiziell nach Bochum gezogen. Trotz des Umzugs sind beide Teil der neugegründeten Nazikameradschaft “Tremonia Kollektiv” und pflegen weiterhin Kontakte zu diversen bekannten Persönlichkeiten aus der extremen Rechten, wie dem verurteilten Neonazi und Mörder Sven Kahlin, der 2005 den Punker Thomas Schulz ermordete.
Andre Fuhr stand 2018 wegen plakatieren von Bildern seiner politischen Gegner*innen vor Gericht und hat unter anderem beim Kampf der Nibelungen, dem größten Kampfsport-Event der extremen Rechten, teilgenommen.

Fuhr war auch bei der Hygienedemo am 29. August 2020 in Berlin vor Ort und mit einer Dortmunder Nazi-Reisegruppe auf der Suche nach körperlichen Auseinandersetzungen. Ähnlich offensiv bewegen sich beide neuerdings in Altenbochum. So sind seit Januar durch die beiden Nazischmierereien und Aufkleber rund um den Freigrafendamm angebracht worden und Anwohner*innen werden bedroht. Neben dem Outing als antifaschistische Intervention, welches zum Verlust des Jobs bei Marnie Wachmann führte, ist auch mehrfach das Wohnhaus etwas aufgehübscht worden. Im selben Wohnhaus trainieren Wachmann und Fuhr auf dem Dachboden Kampfsport.

Ausblick

Zusammengefasst lässt sich wohl sagen, dass die letzten Monate für die extreme Rechte in Bochum nicht sonderlich erfolgreich waren, was auch ruhig so bleiben kann. Geht also weiterhin auf die Straße, wenn Neonazis oder Verschwörungstheoretiker*innen versuchen in eurer Stadt Fuß zu fassen!
Für die kommenden Bundestagswahl im September 2021 muss es für alle Bochumer Antifaschist*innen das Ziel sein, die AfD lokal auf unter 5% zu drücken. Das Ergebnis der letzten Kommunalwahl von 5,6% macht Hoffnung, auch wenn die Wahlbeteiligung sicherlich eine andere sein wird. Um dieses Ziel zu erreichen, sollten wir am besten schon jetzt mit dem Wahlkampf beginnen und in die Viertel gehen, die wir nicht unsere Komfortzonen nennen können.

Antifa ist Handarbeit – auch 2021!

Antifaschistische Linke Bochum,
Februar 2021

Neue Zeiten, neue Ziele, neue Namen.

Aus der Antifaschistischen Aktion Bochum wird non a parole – Antifaschistisches Kollektiv Bochum

Die Antifaschistische Aktion Bochum wurde 2015 gegründet und nahm noch im gleichen Jahr ihre Arbeit auf. Diese Gruppe bedeutet uns allen viel und wir haben viel Herzblut in unsere Arbeit gesteckt. Und doch wurde uns zunehmend bewusst, dass mehr als sechs Jahre nicht spurlos an uns vorüber gehen konnten. Es ist Zeit gewesen, unsere Arbeit, unsere Ziele und unsere Politik zu überdenken. Wir sind mit unserer Gruppe älter geworden und die Probleme dieser Gesellschaft wurden mehr statt weniger. Wir nutzen den Beginn dieses vor uns liegenden Jahrzehnts, um unsere politische Praxis auszuweiten und uns weiter zu entwickeln. Hierzu gehört auch ein neuer Name. Aus der Antifaschistischen Aktion Bochum wird non a parole – Antifaschistisches Kollektiv Bochum.
Der italienische Ausdruck „non a parole“ bedeutet übersetzt so viel wie „nicht Worte allein“ bzw. „Nicht das Lippenbekenntnis“. Dieser Name ist angelehnt an Clara Zetkins Worte „Nicht das Lippenbekentnis, nur das Leben und Handeln adelt und erhebt.”
Doch mit einem neuen Namen allein ist es nicht getan, zu unserer Ausrichtung für dieses neue Jahrzehnt gehört auch ein neues Selbstverständnis, das im Folgenden dokumentiert ist.

Weiterlesen