Tag Archives: refugees welcome

Das Antifa Café im April

11. April
Mobivortrag zum Naziaufmarsch in Dortmund

Für den 11. April hat das Antifa Café Referent*innen eingeladen, die kurz über den Naziaufmarsch am darauffolgenden Samstag in Dortmund berichten werden. Für den 14. April haben die Dortmunder Neonazistrukturen zu einer europaweite Demonstration unter dem Motto “Europa Erwache” aufgerufen. Näheres zum Aufmarsch und zu den Gegenaktivitäten erfahrt ihr am 11. April im Sozialen Zentrum Bochum.

17. April (Achtung: außerplanmäßiger Termin!)
Die Psychoanalyse des Antisemitismus

Der Antisemitismus war lange ein Rätsel: als hartnäckigstes Ressentiment konnte er gesellschaftlichen Wandel durch Jahrtausende hindurch überdauern. Er reicherte sich früh mit Bildern an, die stabile Angebote an unterschiedlichste Gesellschaften leistete.

Warum wurden aus Juden sowohl in der christlichen als auch in der islamischen Welt in Bildsprache und Texten „Schweine“, also ausgerechnet jene Tiere, die die nach jüdischen Speisegeboten nicht gegessen werden durften? Warum wurde ihnen unterstellt, Blut zu trinken und zu essen – etwas, das sie sich selbst verboten hatten? Und warum wurde ausgerechnet einer Minderheit, die durch Jahrtausende hindurch mörderisch verfolgt wurde, unterstellt, heimlich die Welt zu beherrschen?

Das Gefühlsleben des Antisemitismus wurde lange als Reaktion auf die Besonderheiten des jüdischen Glaubens heraus erklärt. Erst die Psychoanalyse erlaubte eine differenzierte Bestimmung der beteiligten Faktoren. Der Antisemitismus setzt wie andere Propaganda auf Elternbilder aus der frühen Kindheit. Er eignet sich daher ideal als Matrize für infantile Wahrnehmungen des Weltgeschehens – und wird daher verstärkt durch eine gesellschaftliche Ordnung, die in infantile Positionen drängt. Adorno/Horkheimer gehen daher in ihren „Elementen des Antisemitismus“ bis zur evolutionsgeschichtlichen Entstehung von zentralen Mustern von Wahrnehmung und Gefühlen zurück: Die pathische Projektion, die Mimesis und die Idiosynkrasie. Die Gesamtkonstellation des Antisemitismus kann mit Grunberger/Dessuant als narzisstische Inszenierung von Abwehr, Schuld und Sadismus verstanden werden.

Dr. Felix Riedel, Ethnologe, freischaffender politischer Bildungsarbeiter aus Marburg, erklärt diese Begriffe und führt in die Geschichte des Antisemitismus ein.

25. April
Resqship – Seenotrettung

Der Frühling naht und mit ihm werden wieder tausende Menschen versuchen das bessere Wetter zu nutzen, um von der afrikanischen Mittelmeerküste mit nicht seetauglichen Booten nach Europa zu gelangen. Hunderte, wenn nicht tausende von ihnen werden elendig ertrinken oder in ihren Booten zerdrückt werden.

Resqship ist eine zivile Seenotrettungsorganisation, die sich noch im Aufbau befindet.

Am 25.04.18 werden Vertreter*innen von Resqship im Rahmen des offenen Anifa-Cafes über ihre bisherigen Einsätze mit anderen Seenotrettungsinitiativen berichten. Mit Hilfe von Landkarten und vielen Photos referieren sie über Gründe diesen gefährlichen Weg auf sich zu nehmen, über die katastrophalen Umstände in denen sich Flüchtende befinden, die Abschottungsversuche an der europäischen Küste, rechtliche Grundlagen und schließlich über ihre Motivation eine eigene Organisation aufzubauen und Geld für ein Schiff und den ersten Einsatz zu sammeln.

Kommt und informiert Euch! Diskutiert! Helft mit!
Der Erlös der Küfa wird an diesem Tag an Resqship gehen.

An allen Tagen öffnet das Café um 18:30 Uhr. Die Vorträge beginnen in der Regel gegen 19:00 Uhr.

Offenes Antifa Café Bochum

Denkmal des unbekannten Flüchtling

Innerhalb der letzten Wochen wurde in Bochum nahe des Tana-Schanzara-Platzes ein Betonsockel in ein Denkmal verwandelt. In mehreren Phasen wurden eine Gedenkplakette angebracht, der graue Beton schwarz eingefärbt und Stacheldraht aufgesetzt.

Denkmal des unbekannten Flüchtlings from Kollektiv Medien on Vimeo.

Die Plakette mahnt und regt zum Gedenken an. Sie weist auf den Todesfall von Aylan Kurdi und einem großen Teil seiner Familie hin. Das Bild des leblosen, kleinen Körpers, der von den Wellen an den Strand angespült wurde, sorgte 2015 weltweit für Schlagzeilen. Aylan und seine Verwandten ertranken auf der Flucht nach Europa. Der Tod von Aylan, seiner Mutter Reha und seinem 5-jährigen Bruder Galip ist das Resultat der Kriminalisierung von Flucht vor Krieg und Verfolgung.

Die EU und die Bundesregierung nehmen durch ihre Abschottungspolitik den Tod von tausenden von Menschen – über 5.000 Ertrunkene allein im letzten Jahr – in Kauf. Durch Waffenexporte, wirtschaftliche, sicherheitspolitische und geostrategische Interessen haben Deutschland und die Europäische Union eine Verantwortung an dem Tod dieser Menschen, da sie an der Entstehung der Fluchtursachen beteiligt sind. Unter kapitalistischen Bedingungen wird die ungleiche Verteilung von Reichtum zur Norm. Das zynischen Versprechen nach Wohlstand verschweigt jedoch zugleich, dass Armut, die Milliarden auf unserer Welt betrifft, immanenter Teil des Kapitalismus ist.

Der neue Tana-Schanzara-Platz, auf dem das Denkmal des Unbekannten Flüchtlings installiert wurde, ist ein beliebter Ort zum Abhängen in Innenstadtnähe, direkt gegenüber des Bochumer Schauspielhauses. Viele Menschen, die den Platz nutzen, kommen an dem Denkmal und seiner Aussage nicht vorbei. Das Bild der Leiche eines kleinen Jungen geht an die Substanz und verdeutlicht die Perversion einer Politik, die sich Menschenrechte auf die Fassade geschrieben hat. Die dunkle Färbung der Stele und der Stacheldraht setzen bewusst einen Kontrast zu der Umgebung.

Das Denkmal soll an Krieg, Armut und Gewalt erinnern, die zum Alltag von millionen von Menschen gehören und sie zur Flucht zwingen. Der Lebensgefahr, der Flüchtende aus Syrien, dem Irak, Afrika und anderen Krisenherden der Welt entkommen wollen, verfolgt sie permanent auf ihrer Fluchtroute. Genau das wollen wir mit dem Denkmal in das älltägliche Bewusstsein zurückrufen.
Die Tragödie, welche sich nun seit mehreren Jahren im Mittelmeer abspielt, muss beendet werden. Jeder Mensch hat das Recht auf ein unversehrtes Leben in Sicherheit, unberührt von Krieg und Armut.

Nachträglich zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni 2017 wurde ein Video mit der Entstehung des Denkmals des Unbekannten Flüchtlings am Tana-Schanzara-Platz in Bochum gedreht.

Zum Video:
vimeo.com/223859175

In Gedenken an all die, die ihr Leben auf der Flucht gelassen haben!
Kein Mensch ist illegal!


Antirassist*innen aus Bochum