Schlagwort-Archive: Josef Anton Gera

70 Menschen bei Demonstration in Erinnerung an Josef Anton Gera

Josef Anton Gera Demo 16.10.2021 in Bochum V

Am vergangenen Samstag gingen ca. 70 Menschen auf die Straße um an Josef Anton Gera zu erinnern. Dieser ist im Jahr  1997 von zwei Neonazis aus homofeindlichen Motiven mit einer Eisenstange attackiert worden, woraufhin er drei Tage später am 17.10.1997 im Bochumer Elisabeth Krankenhaus verstarb.

Die Demo begann gegen 14:00Uhr am Bochumer Rathaus, wo die Tat geschildert wurde und konkrete Forderungen an die Stadt Bochum im Umgang mit dieser rechten Gewalttat verlesen wurden:

„Wir fordern daher die Stadt auf, bis zum 25. Todestag von Josef Anton Gera im kommenden Jahr:
1. Josef Anton Gera offiziell als Opfer rechter Gewalt in der jüngeren Geschichte der Stadt anzuerkennen.
2. über den durch Nazis verübten Mord an Josef Anton Gera auf der offiziellen Homepage der Stadt aufzuklären.
3. die bisher geleistete Gedenkarbeit durch lokale Antifaschist*innen dabei zu benennen und die vor zehn Jahren angebrachte Gedenktafel anzuerkennen.
4. einen Platz in der Innenstadt nach Josef Anton Gera zu benennen.
5. ein Mahnmal gegen rechte Gewalt, soziale Ausgrenzung und Homophobie zu installieren.“

Josef Anton Gera Demo 16.10.2021 in Bochum I

Im weiteren Verlauf wurde noch ein Redebeitrag zur Aktualität transphober/homophober Gewalt verlesen, ehe es in einer kurzen Demo zum Westpark ging, wo vor zehn Jahren Bochumer Antifaschist:innen eine Gedenktafel für Josef Anton Gera anbrachten. An der Bahnhaltestelle/Brücke Bochum West wurde zudem ein Transparent in Gedenken an Josef Anton Gera angebracht. Leider waren vereinzelt auch homofeindliche Pöbeleien am Demorand zu vernehmen. Am Westpark angekommen, trug die VVN BdA Bochum zudem ein Redebeitrag zur Verfolgung Homosexueller im Nationalsozialismus vor, ehe Blumen niedergelegt und die Kundgebung mit einer Schweigeminute beendet wurde.

Antifaschistische Linke Bochum,
Oktober 2021

 

Bilder:

zu den Reden: Weiterlesen

Demonstration in Gedenken an Josef Anton Gera

Demo in Gedenken an Josef Anton Gera 2021

Am Sonntag, den 17. Oktober 2021, jährt sich der Todestag von Josef Anton Gera zum 24. Mal. Der Bochumer wurde in der 1990er Jahren Opfer eines schwulenfeindlichen Mordes durch Nazis.

Am Abend des 14. Oktober 1997 kam der 59-jährige Rentner mit einigen Personen zu einem gemeinsamen Umtrunk auf dem Brachgelände der Firma Krupp nahe der Alleestraße zusammen. Die späteren Täter, der damals 26-jährige Patrick Kerkau und sein Komplize, der 35-jährige Uwe Kleindopp, waren ebenfalls anwesend. Die beiden planten bereits dem ihnen als Homosexuell bekannten Gera eine Abreibung zu verpassen. In der Folge entkleidete Kerkau seinen Oberkörper, um Josef Anton Gera zum „Anfassen zu reizen“ und zuschlagen zu können. Als Gera dem nachkam, schlug Patrick Kerkau mit einem Eisenrohr zu. Uwe Kleindopp beteiligte sich an der Gewalttat. Schwerverletzt konnte Gera  fliehen und schleppte sich zu einer nahe gelegenen Straße, wo ihn Passant*innen fanden und einen Krankenwagen riefen. Der eintreffenden Polizei konnte er mitteilen, dass es sich bei seinen Peinigern um Nazis gehandelt hatte.

Drei Tage später, am 17. Oktober, erlag Gera seinen Verletzungen. Die Täter prahlten gegenüber Familienangehörigen damit, „es einem Schwulen mal so richtig gezeigt” zu haben und schlossen diese Schilderung mit einem Hitlergruß und einem Sieg-Heil-Ruf ab. Trotz dieser Schilderung und dem Umstand, dass die Laube, in der die Tat stattfand, mit Hakenkreuzen, Totenköpfen und SS-Runen bemalt war, wollten weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft ein rechtes Tatmotiv anerkennen. In staatlichen Zählungen von Opfern rechter Gewalt ist Gera daher nicht gelistet. Auch die Stadt Bochum hat sich bezüglich dieser Tat nie positioniert – ein Skandal bis zum heutigen Tag! Es waren schließlich Antifaschist*innen, die Gedenkaktionen initiierten, eine Gedenkplakette am Eingang des Westparks installierten und dazu beitrugen, dass die Amadeu Antonio Stiftung Josef Anton Gera als Opfer rechter Gewalt in ihre Auflistung aufgenommen hat.

Auch in diesem Jahr wollen wir Josef Anton Gera gedenken. Wir gehen nicht nur auf die Straße, sondern verknüpfen das Gedenken mit konkreten Forderungen an die Stadt Bochum! Wenn Bochum zurecht den “Tag gegen Homophobie” begeht und Oberbürgermeister Eiskirch sich mit einer Regenbogenfahne in Szene setzt, so muss dieser rechte, homophobe Mord mitten in Bochum stadtpolitische Anerkennung erfahren – alles andere ist unerträgliche Heuchelei.

Wir fordern daher die Stadt auf, bis zum 25. Todestag von Josef Anton Gera im kommenden Jahr:
1. Josef Anton Gera offiziell als Opfer rechter Gewalt in der jüngeren Geschichte der Stadt anzuerkennen.
2. über den durch Nazis verübten Mord an Josef Anton Gera auf der offiziellen Homepage der Stadt aufzuklären.
3. die bisher geleistete Gedenkarbeit durch lokale Antifaschist*innen dabei zu benennen und die vor zehn Jahren angebrachte Gedenktafel anzuerkennen.
4. einen Platz in der Innenstadt nach Josef Anton Gera zu benennen.
5. ein Mahnmal gegen rechte Gewalt, soziale Ausgrenzung und Homophopie zu installieren.

Kommt mit uns am 16.10.2021 auf die Straße, um den Forderungen an die Stadt Bochum Nachdruck zu verleihen. Wir werden gemeinsam vom Rathaus in einer kurzen Demonstration zur Gedenktafel am Eingang des Westparks ziehen, um dort dann Blumen nierdezulegen.

Weiterhin rufen wir alle Initiativen, Strukturen und Gruppen dazu auf, die Plakate, die wir in Erinnerung an Josef Anton Gera erstellt haben, in ihren Schaufenstern sichtbar aufzuhängen und am 17.10.2021 über ihre Social Media Kanäle auf den rechten Mord an Josef Anton Gera aufmerksam zu machen.

Erinnern heißt kämpfen!

Antifaschistische Linke Bochum,
Oktober 2021

Gedenk- und Plakataktion für Josef Anton Gera

Gedenken an Josef Gera 2020 I

Am heutigen Samstag, den 17.10.2020, kamen einige Antifaschist*innen zusammen um Josef Anton Gera zu gedenken. Dazu wurden an der, von Antifaschist*innen im Jahr 2011 angebrachten, Gedenkplaktette Blumen niedergelegt und kurzzeitig mit einem Transparent auf den rechten und homophoben Mord hingewiesen.

 

Josef Anton Gera wurde am 14.10.1997 von zwei Neonazis mit einer Eistenstange zusammengeschlagen. Grund für die Attacke war Geras Homosexualität. Später teilten die Neonazis Patrick K. und Uwe K. Angehörigen und einem Nachbarn mit, „es einem Schwulen mal so richtig gezeigt zu haben“. Ihre Schilderungen schlossen sie mit einem „Sieg Heil“ und dem Hitlergruß ab. Trotz dieser Umstände wird der Mord an Gera nicht als rechter Mord gelistet. Das einzige Gedenken an ihn und die schreckliche Tat, wird seit Jahren durch antifaschistische Einzelpersonen, Gruppen und Initiativen durchgeführt.

Auch in diesem Jahr gab es neben dem heutigen Gedenken, eine weitere Aktion. So tauchten in verschiedenen Stadtteilen in den Nächten vor dem Jahrestag Plakate in Gedenken an Josef Anton Gera auf.

Kein Vergeben, kein Vergessen!
Fight Homophobia!

Antifaschistische Linke Bochum,
Oktober 2020

In Gedenken an Josef Anton Gera

In Gedenken an Josef Anton Gera

Am Samstag, den 17.10., jährt sich der Todestag von Josef Anton Gera.

Am Abend des 14.10.97 kam der 59-jährige Rentner mit einigen Personen zu einem gemeinsamen Umtrunk auf dem Brachgelände der Firma Krupp nahe der Alleestraße zusammen. Die späteren Täter Patrick K. und Uwe K. waren ebenso anwesend. Als Gera einem der beiden Avancen machte, schlug Patrick K. mit einem Eisenrohr zu. Uwe K. unterstützte ihn dabei und schlug ebenfalls zu. Gera konnte fliehen und schleppte sich schwerverletzt zu einer nahe gelegenen Straße, wo ihn Passant*innen fanden und einen Krankenwagen riefen. Der ebenfalls eintreffenden Polizei konnte er mitteilen, dass es sich bei seinen Peinigern um Nazis gehandelt hatte.

Drei Tage später am 17.10. verstarb Gera an den davon getragenden Verletzungen. Die Täter gaben gegenüber Familienangehörigen an “es einem Schwulen mal so richtig gezeigt” zu haben und schlossen diese Schilderung mit einem Hitlergruß und dem Ruf “Sieg Heil” ab. Trotz dieser Schilderung und dem Umstand, dass die Laube, in der die Tat stattfand, mit Hakenkreuzen, Totenköpfen und SS-Runen bemalt war, wollten weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft ein rechtes Tatmotiv erkennen. In offiziellen Zählungen von Opfern rechter Gewalt ist Gera daher nicht gelistet. Auch die Stadt Bochum hat sich bezüglich dieser Tat nie positioniert – ein Skandal bis zum heutigen Tag! Es waren schließlich Antifaschist*innen, die Gedenkaktionen initiierten und eine Gedenkplakette am Eingang des Westparks installierten.

Auch in diesem Jahr wollen wir Josef Anton Gera gedenken. Dieses Gedenken soll sowohl auf der Straße, als auch im Netz stattfinden.

Wir rufen daher alle Initiativen, Strukturen und Gruppen dazu auf, die Plakate, die wir in Erinnerung an Josef Anton Gera erstellt haben, in ihren Schaufenstern (falls vorhanden) sichtbar aufzuhängen und am 17.10.20 über ihre Social Media Kanäle auf den rechten Mord an Josef Anton Gera aufmerksam zu machen.

Erinnern heißt kämpfen!

Antifaschistische Linke Bochum,
Oktober 2020

P.S.: Wir möchten an dieser Stelle auf die Dokumentation zum Mord an Josef Anton Gera hinweisen.

Dokumentation zum Mordfall Gera

An dieser Stelle möchten wir die Dokumentation zum Mord an Josef Anton Gera  auf diesem Blog dokumentarisch festhalten. Wir übernehmen diese vom Blog der ehemaligen Antifaschistischen Jugend Bochum. Zusammengestellt wurde sie vom Polit Cafe Azzoncao. Auch die dort hochgeladene PDF möchten wir euch hier zur Verfügung stelle: Dokumentation zum Mord an Josef Anton Gera

Auch den Zusatz zur Domumentation spiegeln wir hier als PDF:
Dokumentation zu Josef Anton Gera-Zusatz

Ein Dank geht an die Personen und Gruppen, die diese Dokumentation vor langer Zeit  zusammengestellt hat.

Mordfall Gera: Verdächtiger festgenommen

„Rechtsradikaler Hintergrund“
Donnerstag, 23. Oktober 1997 (WAZ)
Im Mordfall Josef Anton Gera hat die Kripo gestern den mutmaßlichen Haupttäter festgenommen. Der junge Mann soll der rechtsradikalen Szene angehören. Mit einem Polizeihubschrauber überflog die Mordkommission am Mittwoch das alte Kruppgelände jenseits der Klosterstraße, um aus der Luft leerstehende Industriebauten zu fotografieren. Die abgelegene Gegend gilt als Treffpunkt vieler Gruppen, darunter auch Skinheads, Obdachlose und Rauschgiftsüchtige. Dort, in der Nähe der Klosterstraße, war der 59jährige Frührentner, wie berichtet, am 14. Oktober von einem Schlägertrupp mit Baseballschlägern übel zugerichtet worden. Am Freitag erlag Gera in der Klinik seinen schweren Verletzungen. Seitdem wird wegen Mordverdachts ermittelt. Nach zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung und eingehenden Befragungen in der Nichtseßhaften-Szene gelang gestern die Festnahme. Der Chef der Mordkommission, Walter Pindur, bestätigte, daß ein rechtsradikaler Hintergrund vorliege. Noch vor seinem Tod hatte Josef Gera Polizeibeamten gegenüber geäußert, vier Rechtsradikale hätten ihn zusammengeschlagen und getreten. Die Bochumer Grünen wollen über ihre Landtagsfraktion eine Anfrage an die Landesregierung richten. Dabei soll erhellt werden, „ob die Bochumer Polizei von Anfang an alle erforderlichen Schritte zur Fahndung nach den Tätern und Zeugen eingeleitet hat oder ob die Polizei den Fall bagatellisiert und erst nach dem Tod des Opfers ernsthaft mit Ermittlungen begonnen hat.“ Die Ermittler haben für heute eine Pressekonferenzangekündigt. (R.H.)

Ex-Soldat gestand Bluttat an Rentner

Hakenkreuze und SS-Runen in seiner Laube
Freitag, 24. Oktober 1997 (WAZ)1997
Der Mord an den Bochumer Frührentner Josef Anton Gera (59) ist geklärt. Der ehemalige Bundeswehrsoldat Patrick K. (26) aus Bochum gestand, mit ener Eisenstange auf Gera eingedroschen zu haben, ebenso wie sein noch flüchtiger Komplize Uwe K. (35).

Am Abend der Bluttat hatten sich insgesamt fünf Männer zu einem Saufgelage in einer Laube getroffen, darunter auch Gera. Die verfallene Hütte liegt auf der Kruppschen Industriebrache jenseits der Klosterstraße. Dort, neben verrosteten Gleisen und einem alten Stellwerkhaus, waren Patrick K. und sein Freund zuhause. Hakenkreuze, SS-Runen und eine Totenschädelzeichnung finden sich auf den Wänden.
Bevor die fünf Männer dem Alkohol zusprachen, übte sich Patrick K., wie er der Mordkommission schilderte, in Sieg-Heil-Parolen und Hitlergruß. Im Verlauf der Zecherei habe sich der Rentner ihm und seinem Freund sexuell nähern wollen. Da habe er mit einer Eisenstange, verlängert durch ein Stuhlbein, zugeschlagen, behauptet der Ex-Soldat. Anschließend hätte auch Uwe K. mit der Stange zugelangt. Staatsanwalt Dieter Justinsky hält die Sex-Version für eine Lüge: „Beide sind des Mordes dringend verdächtig.“ Aus seiner Sicht sind die beiden Männer aus nichtigem Anlaß „ausgerastet“.
Am Mittwoch wurde Patrick K., ein Skinhead-Typ mit Irokesen-Schnitt und Tätowierung, auf dem Bochumer Bahnhofsvorplatz festgenommen. Seit Montag hatte die Mordkommission Tag und Nacht ermittelt. Jeder Obdachlose, den man in Bochum fand, wurde zum Polizeipräsidium gebracht und als Zeuge verhört. Auch Patrick K. und Uwe K. waren dabei. Sie seien am Tattag, dem 14. Oktober, bei Uwes Mutter in Bochum gewesen, schilderten sie. Danach konnten sie gehen. Weiterlesen

Mordversuch am Wohnungslosen in Bochum-Langendreer

In der Nacht zum 9. November ereignete sich in Bochum-Langendreer ein grausamer Überfall auf einen 55-jährigen Wohnungslosen. Der Mann, der vor ein paar Jahren aus Polen nach Deutschland kam, wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Der Täter bewarf ihn mit Verbundsteinen. Nachdem der Überfallene schwer verletzt am Boden lag, stapelte der Täter die schweren Steine, Paletten und Säcke mit Split auf ihn drauf, um ihn wortwörtlich lebendig zu begraben. Die Lokalzeitung WAZ berichtet von Rippenbrüchen, starken Verletzungen und Unterkühlung: mehrere Stunden verbrachte der 55-Jährige auf diese Weise draußen, bevor er entdeckt wurde.

Unvorstellbar muss das Leid des Mannes in der Novembernacht gewesen sein. Die Polizei hat bisher keine Erkenntnisse über den Täter und seine Motive. Was treibt einen Menschen, einem Mann ohne Obdach solche Gewalt anzutun? Jüngst ist es immer wieder zu körperlicher Gewalt und Mord an Wohnungslosen in Deutschland gekommen. Anfang November erlag eine obdachlose Frau in Delmenhorst ihren Misshandlungen; im Frühjahr wurde ein Mann in Hannover mit einem Pflasterstein gegen den Kopf geschlagen und lebensgefährlich verletzt, und die Liste ließe sich fortsetzen. Laut einer Statistik der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. wurden zwischen 1989 und 2017 783 Wohnungslose verletzt und 236 ermordet. Diese Zahlen spiegeln nur die Gewalttaten wider, die von nicht-wohnungslosen Täter*innen begangen wurden. Die Gewalt unter den Wohnungslosen selbst muss an anderer Stelle betrachtet werden.

Wohnungslose gehören zu Menschen in unserer Gesellschaft, die besonders verletzlich sind. Ohne eigenen Wohnraum fehlt es ihnen oft an Schutzraum und Rückzugsmöglichkeiten, nicht nur vor der Kälte im Winter, sondern auch vor Gewalt. Doch die fehlende finanzielle Absicherung ist nicht das einzige Übel, dem sie ausgesetzt sind. Solch menschenverachtende Gewalttaten, wie die in Bochum, sind Ergebnis einer gesellschaftlichen Stimmung, die Wohnungs- und Arbeitslosigkeit unter dem Mantel der „Asozialität“ dargestellt. Sozialwissenschaftler nennen diese Ideologie „marktförmiger Extremismus“, ein „Extremismus der Mitte“. Dieser Ausdruck beschreibt den Rückgang der Solidarität mit wirtschaftlich Schwachen und Menschen, die für unsere kapitalistische Art der Produktion als nicht effizient betrachtet werden. Menschen werden in Nützlichkeitskategorien eingeteilt und danach bewertet, wie flexibel sie sich an die Anforderungen des Arbeitsmarktes anpassen. Mit einem allgemeinen Rechtsruck in der Gesellschaft werden nicht nur rassistische Einstellungen salonfähig, sondern auch das Bedrohungsszenario wiederbelebt, wonach der eigene Wohlstand durch Menschen, die laut gesellschaftlichem Maßstab „nichts“ zum Reichtum der Gesellschaft beitragen, bedroht wird. Der Hass auf sie kann in Kombination mit anderen Kriterien Gewalttaten wie die in Langendreer begünstigen: ein Menschenleben wird schnell an dem bemessen, was es an Profit erwirtschaftet.

Die schreckliche Gewalttat erinnert an einen Mord, der vor genau 20 Jahren in Bochum begangen worden ist. Am Abend des 14. Oktober 1997 wird Josef Gera, welcher sich im Obdachlosen- und Trinkermilieu bewegte, von zwei Bekannten so stark verletzt, dass er ein paar Tage später stirbt. Der homosexuelle Gera soll seinen Mördern sexuelle Avancen gemacht haben, woraufhin sie sich berechtigt sahen, ihn zu erschlagen. Uwe K. und Patrick K. berichteten im Nachhinein stolz ihrer Familie von dem Mord; der Skinhead Patrick K. gab während des Verhörs zu, „Sieg Heil“ gerufen zu haben.

Das Leben jedes einzelnen Menschen ist wertvoll. Solidarität gebührt uns allen – unabhängig vom finanziellen Status!

Antifaschistische Linke Bochum,
Dezember 2017